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Trauer um Prof. Dr. Willfried Spohn

Ein Leben zwischen Welten

Zum Tod unseres Kollegen und Freundes Willfried Spohn

Der Soziologe Willfried Spohn war ein Grenzgänger zwischen Disziplinen und Welten. Historische Soziologie und Sozialgeschichte prägen sein Werk von Beginn an ebenso wie sein Interesse an verschiedenen Welten und globalen Prozessen. Seine Leidenschaft für eine historisch-vergleichende Soziologie hat er verbunden mit theoretischen und empirischen Studien zu globalen, multiplen und verwobenen Modernen. Dabei hat er, tief in der europäischen Forschung beheimatet, stets den Blick auf andere Weltregionen gewagt und für sein Denken produktiv gemacht. Es hat ihm Freude bereitet, ganz im positiven Sinne eines altmodischen, allgemein gebildeten Geistes- und Sozialwissenschaftlers, sich in mehreren Sprachen mit unterschiedlichen Welten auseinanderzusetzen und mit unterschiedlichen Forschungstraditionen zu interagieren.

Seine durch Vergleich geprägten Forschungen zu Fragen der Religionssoziologie, Nationalstaatlichkeit, Ethnizität und Erinnerung haben während seiner Gastprofessur am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin zwischen 2004 und 2005 uns und seine Studierenden begeistert. Er ist unserem Institut danach weiter verbunden geblieben. Großzügig band er es immer wieder in sein weitreichendes weltweites Netzwerk ein, vermittelte Kontakte und ließ uns an den vom ihm initiierten Debatten und an seinen Forschungsarbeiten teilhaben.

Seine Wege als Gastprofessor, Fellow, Leiter von Forschungsverbünden sowie seine Aktivitäten in der International Sociological Association haben ihn zu den sehr guten Universitäten in Deutschland, Europa und den USA geführt. Seine Neugier auf andere und anderes, seine soziale Verantwortung und Solidarität gingen weiter, sie galten auch Lateinamerika und haben ihn mit Bolivien und Mexiko in Verbindung gebracht. Als er vor zwei Jahren auf die Professur für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften am Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europa-Studien an der Universität Wrocław berufen wurde, begann er sofort Ideen zu entwickeln, wie diese Professur in transregionalen und globalen Verflechtungsprozessen zu gestalten sei.

Auf dem Weg zwischen Breslau und Berlin verunglückte Willfried Spohn bei einem Autounfall am Montag, den 16. Januar 2012. Wir haben durch seinen plötzlichen Tod einen treuen Freund, einen außergewöhnlichen Wissenschaftler und einen stets für alle offenen Kollegen verloren.

Seiner Ehefrau Prof. Dr. Ewa Morawska (Soziologin an der Universität Essex) und seinen Söhnen Philipp und Max fühlen wir uns in tiefer Trauer verbunden.

Für das Lateinamerika-Institut

Manuela Boatcă, Marianne Braig, Sergio Costa, Ingrid Kummels, Stefan Rinke



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Stand: 27.01.2012

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