Cuba

Forschungsschwerpunkt Visuelle Medien

Seit den 1980er-Jahren eignen sich indigene Akteure in den Amerikas visuelle Massenmedien wie Fotografie, Theater, Fernsehen, Film und Video verstärkt an. Angehörige der pueblos originarios engagieren sich zunehmend als Medienproduzenten, oft in Zusammenhang mit sozialen Bewegungen, die politische Forderungen auf ethnischer Basis stellen und kollektive Rechte auf eine eigene Kultur, auf Land und natürliche Ressourcen sowie eine Selbstverwaltung und damit eine Teilautonomie innerhalb des Nationalstaates verlangen. Diese Prozesse werden vor dem Hintergrund der Geschichte der Verflechtung der visuellen Ökonomien der Amerikas und von Europa seit der Konquista betrachtet. Das Konzept der visuellen Ökonomie begreift das Feld des Visuellen nicht nur als eines von geteilten Bedeutungen und Gemeinschaften (visuelle Kulturen), sondern auch als ein Feld von sozialen Beziehungen, das von Ungleichheit und Macht gezeichnet ist. Aus der Perspektive einer Geschichte von langer Dauer betrachtet waren die Bekämpfung bestehender, die Durchsetzung neuer sowie die Aneignung und Neuinterpretation aufgezwungener medialer Praktiken seit langem zentraler Bestandteil der Auseinandersetzungen zwischen Herrschende und Untergeordnete in den Amerikas. So griffen z.B. Akteure auf verschiedene Schrift- und Bildtraditionen aus den Amerikas und aus Europa zurück und kombinierten sie neu, um hybride Geschichtsversionen niederzulegen, die als identitätsstiftende Grundlage eine indigene Vergangenheit evozierten; sie systematisierten räumliches Wissen in der Form von Karten; sie beschrieben und bildeten Objekte nach veränderten Kriterien ab und bewerteten sie so neu.  Im Zuge dessen wurden auch die medialen Vermittlungspraktiken selbst transformiert. Vor diesem Hintergrund wird die aktuelle indigenen Medienproduktion und -rezeption analysiert und folgende Bereiche fokussiert: Die Geschichte lokaler ästhetischer und medialer Praktiken und deren Rolle für soziale Bewegungen, das Machtverhältnis zwischen (neo-)kolonialer visueller Medienpraktiken und den lokalen visuellen Aneignungen sowie die Verankerung bildlicher Repräsentationsformen im Machtfeld von Politik und Religion.

 

Forschungsschwerpunkt Visuelle Medien Foto I © Kummels

Forschungsschwerpunkt Visuelle Medien Foto II © Kummels