Cuba

Forschung

In den vergangenen Jahren hat sich insbesondere der Forschungsschwerpunkt Gender und Mobilität als innovativer interdisziplinärer Zugang zum Verständnis von kulturellen Dynamiken, gesellschaftlichen Transformationsprozessen und sozialen Ungleichheiten in Lateinamerika bewährt. Ausgehend von den neuen Ansätzen zu Mobilität und Geschlecht werden die strukturellen, systemischen Ausgrenzungsmechanismen in lateinamerikanischen Gesellschaften untersucht sowie deren Materialisierungen in (inter)subjektiven Handlungskontexten. Es handelt sich hierbei um vielfältige Mechanismen, denen unterschiedliche Machtfigurationen zugrunde liegen. Neben Geschlecht sind es die sozioökonomischen Lebensgrundlagen, ethnische und kulturelle Zuschreibungen, das familiäre Umfeld und der Zugang zu Rechten, die eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung, Reproduktion und Aufrechterhaltung von Ungleichheiten spielen und so die soziale Mobilität einschränken. Mobilität und Gender werden hier auf unterschiedlichen Ebenen untersucht:

Transkulturelle und transnationale Räume

Transkulturelle und transnationale Räume sind durch Kolonialismus, transatlantischen Sklavenhandel sowie durch andere vielfältigste transnationale Migrationen und Bewegungen geprägt. Diese Prozesse führen zu immer wieder neuen Verflechtungen symbolischer Repräsentationen und sozialer Netzwerke über nationalstaatliche Grenzen hinweg. In diesen Räumen entstehen Subjektivitäten, Identitäten und Gemeinschaften jenseits der nationalen Konstruktionen von Geschlecht, Geschichte und Kultur. Dies wird in den aktuellen Debatten um den Ort von Geschlecht in Konzepten wie Diaspora, Intersektionalität und Kreolisierung analysiert. Transkulturelle und transnationale Prozesse werden hier also aus der Perspektive der „Grenze“, der „Peripherie“ und der „Anderen“ studiert. Diese dezentrierte Perspektive trägt zu einem neuen Verständnis der Amerikas bei, das den Kontinent in seiner historischen und aktuellen Verflochtenheit mit anderen Regionen betrachtet.

Frauenbewegungen, Recht und Gewalt

Frauenbewegungen und soziale Bewegungen, in denen Frauen als Hauptakteurinnen partizipieren, artikulieren Probleme der geschlechtlich markierten Aus- und Eingrenzung sowie der politischen Subjektkonstitution. Ihre Anerkennung in politischen Zusammenhängen (auf internationaler, nationaler und lokaler Ebenen) gelingt zumeist nur partiell. Dies belegen die Debatten um Demokratie und Differenz, um die Konstruktion von Geschlechtsidentitäten und Körper, um (sexuelle) Gewalt sowie um die ciudadanía von Frauen und um das Geschlecht politischer, sozialer, ökonomischer und kultureller Rechte.

Insbesondere im Bereich geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt sind Frauenbewegungen und –organisationen in Lateinamerika von zentraler Bedeutung, wenn es um das Sichtbar- und Sagbarmachen, Aufdecken, Verfolgen, Aufarbeiten und Erinnern dieser Erfahrungen geht. Dabei werden auch Fragen nach der Rekonfiguration von Privatheit und Öffentlichkeit, von formellen und informellen Regeln, von lokalen, nationalen sowie internationalen und transnationalen Räumen neu gestellt.

Wissenszirkulationen

Durch die Analyse unterschiedlicher Konfigurationen von globalem und lokalem Wissen werden unterschiedliche Formen der Wissensproduktion in Lateinamerika untersucht. Das Forschungsinteresse richtet sich zunächst auf die Konstitution von „Zwischenräumen“, in denen hybride Konfigurationen von Wissen und Bedeutung stattfinden und epistemologische Grenzen sich verschieben. Dabei wird das Augenmerk auf komplexe, widersprüchliche und sich wechselseitig überdeterminierende Prozesse gerichtet, die den globalen Raum neu strukturieren; Analysekategorien dieser Forschungsperspektive sind insbesondere Geschlecht, ‚Rasse’, Ethnie und Klasse.