Cuba

Amerika! Amerikas!

 

Eine Kooperationsveranstaltung zwischen dem John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, dem Lateinamerika-Institut sowie dem Center for Area Studies/ Zentrum für Regionalstudien zum "Jahr der Geisteswissenschaften" sowie als Beitrag des "Offenen Hörsaals"

Mittwoch, 18.00-20.00 Uhr - „Rost/Silberlaube“ der FU, Hörsaal 1b (Habelschwerdter Allee 45 - 14195 Berlin-Dahlem)

Waldseemüllerkarte 1507

Waldseemüllerkarte (Ausschnitt) von 1507


Amerika! Amerikas! - Zur Geschichte eines Namens

Ursula Lehmkuhl/Stefan Rinke

Im Jahre 2007 jährt sich zum 500. Mal die Erfindung des Namens Amerika durch die deutschen Kartographen Martin Waldseemüller und Matthias Ringmann. In ihrer "Cosmographiae introductio" von 1507 schrieb Ringmann: "Ich wüßte nicht, warum jemand mit Recht etwas dagegen einwenden könnte, diesen Erdteil nach seinem Entdecker … Land des Americus, oder America zu nennen ...."[1]  Dass es durchaus gute Gründe gegen diese Namensgebung gegeben hätte, wissen wir nicht erst seit heute. Doch der eigentliche Entdecker Kolumbus war schon ein Jahr zuvor im spanischen Valladolid gestorben, ohne bis zu seinem Tod die Dimension seiner Entdeckung begriffen zu haben. Amerigo Vespucci dagegen, hatte dies klar erkannt und, was noch schwerer wog, er wusste seine Erkenntnis publikumswirksam zu verkaufen. Waldseemüller kamen kurze Zeit später Bedenken und er verwendete den Begriff Amerika auf späteren Karten nicht mehr. Doch es war bereits zu spät. Zu tief hatte sich Vespuccis sensationeller Bericht aus der "Neuen Welt" in die Imaginationen der Europäer eingebrannt. Amerika war zu einer Projektionsfläche der "Entdecker" geworden und diese wollten sich den exotisch-schönen Schein nicht zerstören lassen.

Der Begriff Amerika bezog sich zunächst auf den Bereich der Karibik, Zentral- und Teile Südamerikas und er wurde von Europäern definiert. Mit der fortschreitenden Besiedlung des Nordens durch Engländer und andere Europäer weiteten sich die Bezüge dann im Lauf der Kolonialzeit auf den gesamten Doppelkontinent aus. Gleichzeitig wurden zunehmend amerikanische Stimmen in den Diskussionen um das Wesen Amerikas und damit auch um die Bedeutung des Begriffs laut. Mit der US-amerikanischen Revolution und dem erfolgreichen Aufstieg der Vereinigten Staaten änderte sich die Lage insofern, als die Bezeichnung 'Amerika' in vielen europäischen Sprachen zum Synonym für die USA wurde. Was aber blieb dann für das südliche Amerika? Kulturell negativ besetzte Begriffe wie "Hispano" oder "Ibero"-Amerika kamen aufgrund der Abgrenzungsbemühungen von der alten Kolonialmacht zunächst nicht in Frage. Die neue Namensgebung erfolgte vielmehr von Frankreich aus und wurde erst später von den Bewohnern des südlichen Amerika rezipiert und übernommen. Diese Zweiteilung von Amerika und Lateinamerika, die insbesondere von den Bewohnern der südlicheren Hälfte nie vollständig akzeptiert wurde, begann sich im Lauf des 20. Jahrhunderts aufzulösen. Ein zunächst unkritisch im Sinne des aus den USA hervorgehenden Panamerikanismus gebrauchter Begriff gewann seit den 1920er-Jahren an Bedeutung: der Begriff 'die Amerikas'. Mit den Auswirkungen der neuen Globalisierung wird dieser Begriff heute immer wichtiger und weist der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Region neue Wege, da in ihm implizit ein neues Kulturverständnis mitschwingt.

Zum Projekt

Die wissenschaftliche Erforschung der Entdeckung und Eroberung, der Namensgebung und europäischen Auseinandersetzung mit Amerika erreichte um das Jubiläumsjahr 1992 herum einen Höhepunkt. Doch haben seitdem die kulturhistorischen Ansätze die Geschichtsschreibung von innen heraus ebenso verändert, wie die äußeren Einflüsse der neuen Globalisierung, die ständig neue Anforderungen auch an die Wissenschaft von der Geschichte stellen. In einer Ringvorlesung im Sommersemester 2007 werden diese neuen Ansätze in der Beschäftigung mit Amerika dokumentiert. Dabei steht die historische Perspektive zwar im Mittelpunkt, doch, da eine moderne Geschichtsschreibung nicht mehr ohne den Rekurs auf verwandte Disziplinen auskommen kann, werden auch Beiträge aus anderen Kultur- und Sozialwissenschaften präsentiert.

Die Veranstaltung ist Teil der interdisziplinären Ringvorlesungen der Freien Universität, die sich unter dem Titel „Offener Hörsaal“ an ein breiteres, wissenschaftsinteressiertes Publikum wenden. Sie ist ein Beitrag des John-F.-Kennedy-Instituts und des Lateinamerika-Instituts zum Jahr der Geisteswissenschaften. Gleichzeitig stellt sie das Auftaktereignis des Ende 2006 neu gegründeten Zentrums für Regionalstudien der Freien Universität Berlin dar.


[1]   Eberhard Schmitt et al. (Hg.), Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion, Bd. 2, Die großen Entdeckungen (München 1984), S. 17.


 

Vorträge, ReferentInnen, Termine (als PDF-Datei)

Mittwoch, 18.00-20.00 Uhr - „Rost/Silberlaube“ der FU, Hörsaal 1b

Habelschwerdter Allee 45 - 14195 Berlin-Dahlem

Termin ReferentIn Titel & Thema
25.4.07 Stefan Rinke (FU Berlin) 25. April 1507: Tauftag Amerikas – Die Prägekraft einer Namensgebung
02.5.07 Hans-Joachim König (Eichstätt) Die Erfindung des Begriffs 'America' aus dem Geist der Renaissance
09.5.07 Dagmar Bechtloff (Bremen) Imago mundi cartographica. Frühneuzeitliche Vor- und Darstellungen der Neuen Welt in Europa und Amerika
16.5.07 Stefan Rinke (FU Berlin) Vom „ersten Amerika“ zu „Amerika“: Der Wandel des Amerikaverständnisses im Zeitalter der Revolutionen
23.5.07 Ursula Prutsch (Wien) Pan-Amerikanismus 1850-1930. Genese - Wahrnehmungen - Konstruktionen
30.5.07 Winfried Fluck (FU Berlin) "Utopia, here and now!" Utopisches Denken in Amerika
13.6.07 Jürgen Buchenau (UNC Charlotte) Amerikaideen vor dem Hintergrund der faschistischen Bedrohung
20.6.07 Marianne Braig (FU Berlin) Hemisphärische Konstruktionen, oder wo liegt eigentlich Mexiko?
27.6.07 Norbert Finzsch (Köln) Von der "Double Consciousness" zum "African American Nationalism": Amerikakonzepte der African Americans im 19. und 20. Jahrhundert
04.7.07 Anja Bandau (FU Berlin) Von Macondo zu McOndo: Literarische Reflexionen Amerikas im 20. Jh
11.7.07 Ingrid Kummels (Zürich) Native Americas: Zu den aktuellen Amerika-Begriffen der Indigenen
18.7.07 Stefan Rinke (FU Berlin) Amerika – Amerikas: Ergebnisse und Perspektiven

 


Links zu den beteiligten Institutionen