Mario Salazar

Mario Salazar
Mario Salazar
Bildquelle: © Muriel Liebmann

(Abschluss SoSe 2009)

Sie haben am LAI den Magister-Studiengang „Lateinamerikanistik“ absolviert. Heute befinden Sie sich in einem beruflichen Kontext, in dem das Wissen über die Literaturen und Kulturen Lateinamerikas eine wichtige Rolle für Sie spielt. Wie kam es während Ihres Studiums zu dieser Karriere-Entscheidung?

Meine Entscheidung, mich als Schriftsteller zu versuchen und damit einmal Geld verdienen zu können, war ein jahrelanger Prozess. Das begann während meiner Schulzeit. Mein Interesse für die Literaturen und für Lateinamerika ist älter als mein Studium. Das Interesse für Literatur begann mit dem Lesen. Lesen bedeutet ja auch immer „Denken“. Mein Interesse für Lateinamerika ist mir als Deutsch-Chilene vererbt worden. In diesem Sinne habe ich mir ein Studium ausgewählt, indem ich glaubte, meinen Leidenschaften nachgehen zu können. Als ich mich nach dem Magisterstudium am LAI am Deutschen Literaturinstitut Leipzig bewarb und angenommen wurde, dachte ich, na gut, so schlecht können die Texte scheinbar nicht sein, die ich schreibe. So bin ich von Text zu Text zum Beruf des Schriftstellers gekommen. Das Studium der Lateinamerikanistik am LAI der FU Berlin diente mir zur Entdeckung und Vertiefung von Literaturen und Gesellschaften. In diesem Sinne war dieses Studium ein Teil meines Weges zum Schriftstellerberuf.

Welches Thema hat Sie während Ihres Studiums besonders begeistert? Haben Sie darüber Ihre Abschlussarbeit geschrieben?

Es hat immer viele Themen gleichzeitig gegeben, die mich interessiert haben. Die Schicksale der Ureinwohner Nord- wie Südamerikas (zum Beispiel „Hombres de maíz“ von Miguel Ángel Asturias), die Entdeckung des Kontinents und seine erste Beschreibung/ Konstruktion durch die Fremden, was auch als eine Art Literatur verstanden werden kann (zum Beispiel die Briefe Cristóbal Colóns, Antonio Pigafettas oder Pedro Mártir de Anglería) und die Militärdiktaturen der fünfziger bis achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in Lateinamerika (zum Beispiel „Yo el Supremo“ von Augusto Roa Bastos) mögen mich im Besonderen interessiert haben.
Ich habe aber auch am Otto-Suhr-Institut und am John F. Kennedy-Institut studiert. Die politische Ideengeschichte des Okzidents, um das einmal sehr grob zusammenzufassen, hat mich immer interessiert. Am OSI schloss ich ab zu der Frage, ob Ernst Jünger Teil der rechts-intellektuellen Strömung in Deutschland der sogenannten Konservativen Revolutionäre war. Am John F. Kennedy Institut schloss ich ab zu der Frage, inwiefern sich die Innen- und Außenpolitik der USA nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 verändert hatten. Am Lateinamerikainstitut schloss ich mit einer Magisterarbeit über das politische Theater Argentiniens nach dem Ende der Militärdiktatur 1983 ab, wobei ich mich vor allem mit den Dramen des argentinischen Dramatikers Luis Cano beschäftigte.

Können Sie uns ein bisschen über Ihre aktuellen Tätigkeiten erzählen und inwiefern diese in Zusammenhang mit Ihrem Studium stehen?

Ich bin Schriftsteller. In den letzten Jahren habe ich vor allem Theaterstücke geschrieben, obgleich ich auch einige Prosaarbeiten fortsetze. Mein Studium hat mir die Möglichkeit gegeben, ein breites Wissen anzuhäufen, welches selbstverständlich gepflegt, also immer weiter angehäuft werden muss. Zudem habe ich mir während des Studiums eine Arbeitsweise angewöhnt, die der meiner Arbeitsweise als Schriftsteller gleicht. Ich lese immer noch sehr viel und verarbeite meine Gedanken zu Texten, obgleich ich das Glück habe, in meinen Fiktionen Rückschlüsse zu ziehen, die der Wissenschaft immer versperrt bleiben werden.