Sabine Erbrich

Sabine Erbrich
Sabine Erbrich

(Abschluss Dezember 2012)

Sie haben an der FU Berlin den Master-Studiengang „Romanische Literaturwissenschaft“ mit Schwerpunkt Lateinamerikanische Literatur absolviert. Heute befinden Sie sich in einem beruflichen Kontext, in dem das Wissen über die Literaturen und Kulturen Lateinamerikas eine wichtige Rolle für Sie spielt. Wie kam es während Ihres Studiums zu dieser Karriere-Entscheidung?

Das Interesse an der Arbeit an und mit den lateinamerikanischen Literaturen,insbesonderedenProduktionenausZentralamerika, hat zuallererst mit meinen privaten Lektürevorlieben zu tun.
Ich lese gerne Autorinnen und Autoren wie Rodrigo Rey Rosa, Dante Liano oder Jacinta Escudos, aber auch junge Stimmen wie Denise Phé-Funchal oder Alan Mills. Durch verschiedene universitäre Veranstaltungen und Kurse, Übersetzertätigkeiten und Verlagspraktika fiel schnell die endgültige Entscheidung, mich auch beruflich mit den lateinamerikanischen Texten beschäftigen zu wollen. Jede dieser Erfahrungen eröffnete mir neue Blickwinkel auf die faszinierenden literarischen Produktionen dieses Kontinents.

Welches Thema hat Sie während Ihres Studiums besonders begeistert? Haben Sie darüber Ihre Abschlussarbeit geschrieben?

Ein Thema, das mich im Laufe des Studiums in unterschiedlichen Kontexten und Ausprägungen begleitete, ist die Frage der ästhetischen Reaktion textueller Produktionen auf politische „Ausnahmesituationen“, z.B. die zentralamerikanischen Bürgerkriegserfahrungen. Ich habe mich gefragt, mit welchen unterschiedlichen Fiktionalitäts- und Gattungsentwürfen die Texte auf Bedürfnisse und Herausforderungen der memoria histórica antworten. In meiner Masterarbeit habe ich mich dann mit den hybriden Verbalisierungsstrategien literarischer und journalistischer Texte im Kontext der guatemaltekischen Nachkriegsgesellschaft und ihren Auswirkungen auf die Rezeption beschäftigt.

Können Sie uns ein bisschen über Ihre aktuellen Tätigkeiten erzählen und inwiefern diese in Zusammenhang mit Ihrem Studium stehen?

Derzeit bin ich Volontärin im Lektorat des Suhrkamp Taschenbuchs. Zuvor arbeitete ich studienbegleitend als Korrekturleserin und Übersetzerin akademischer und belletristischer Texte und als studentische Hilfskraft im Bereich Literaturen und Kulturen des LAI. Für die Lektoratsarbeit sind die literaturtheoretischen und fremdsprachlichen Kenntnisse, die ich im Studium erworben habe, enorm hilfreich, beispielsweise bei der Einschätzung von Manuskripten und dem Verfassen von Gutachten, aber auch bei der direkten Arbeit am Text. Auch ein Überblick über einen gewissen Kanon – sowohl klassischer als auch zeitgenössischer Autorinnen und Autoren – vereinfacht und bereichert die Arbeit. Gleiches gilt für die Übersetzung von Texten. Rückblickend würde ich sagen, dass Neugierde und ein breites Interesse an Texten, Theorien und Sprachen wertvolle Grundlagen für jede weitere Beschäftigung mit Literatur sind.