Eroberung Perus

Pizarro geht nach Peru
Auf der Suche nach Gold und Ruhm ziehen die Spanier unter Francisco Pizarro nach Peru. Teil eines Frieses mit Szenen aus der Geschichte Amerikas. Constantino Brumidi, 1871, für das Capitol in Washington D.C.
Bildquelle: Architect of the Capitol, www.aoc.gov/cc/photo-gallery/frieze_rotunda.cfm

Schon während der Eroberung Panamas durch Vasco Nuñez de Balboa im Jahre 1513 vernahmen die Spanier Gerüchte von einem gebirgigen Land voller Gold und Silber südlich des Flusses Virú. Fortan war die Legende um das Goldland Peru geboren. Die Spanier gerieten in Aufruhr und drei Abenteurer namens Francisco Pizarro, Diego de Almagro und Hernando Luque organisierten von Panama aus eine Expedition in den Süden Amerikas. Am 10. März 1526 unterschrieben sie einen Vertrag, der sie zu gleichberechtigten Partnern machte, wobei Hernando Luque das Unternehmen finanzieren und Pizarro und Almagro die Expedition durchführen sollten. Nach zwei erfolglosen Entdeckungsfahrten segelte Francisco Pizarro nach Spanien, um weitere finanzielle Unterstützung zu erbitten und wurde am 26. Juli 1529 von Kaiser Karl V. zum gobernador und capitán general von all den Provinzen in Peru ernannt, die er entdecken und erobern würde.

Nach seiner Rückkehr nach Amerika im Jahre 1531 zog er sogleich Richtung Peru, während Almagro in Panama blieb, um Verstärkung zu organisieren. Schon kurz nach seiner Ankunft in San Mateo, nahe dem Äquator, erfuhr Pizarro vom Bürgerkrieg zwischen den rivalisierenden Inkaherrschern Huáscar und Atahualpa und zog weiter nach Cajamarca, wo Atahualpa sich aufhielt. Unterwegs trafen die Spanier auf die Cañaris und konnten diese als wertvolle Verbündete gewinnen, da diese alte Ressentiments gegen Atahualpa hegten. Am 15. November 1532 trafen sie zusammen in Cajamarca ein. Atahualpa empfing die Spanier erst einige Tage nach ihrem Eintreffen. Den spanischen Chroniken zufolge, sandte Pizarro Fray Vicente Valverde mit Kreuz und Bibel in der Hand zu Atahualpa, um diesen bekehren zu lassen. Dem Inka wurde das sogenannte requerimiento vorgelesen, ein Dokument, das Atahualpa über die spanischen Gesetze und Rechte informieren sollte und in dem seine Unterwerfung unter Krone und Kirche gefordert wurde. Da Atahualpa mit der ihm gereichten Bibel nichts anfangen konnte, warf er sie von sich und forderte wutentbrannt die von den Spaniern bei ihren Expeditionen gestohlenen Schätze zurück. Diesen Vorfall nutzte Pizarro, um seine sich in einem Hinterhalt versteckten Männer zum Kampf aufzurufen. Tausende Indigene fielen dem Angriff zum Opfer und Atahualpa selbst wurde gefangen genommen.

Atahualpas Hinrichtung
Hinrichtung Atahualpas nach Poma de Ayala, 1615
Bildquelle: Königliche Bibliothek Kopenhagen, www.kb.dk/permalink/2006/poma/392/en/text/

Um sich aus der Gefangenschaft befreien zu können, bot Atahualpa den Spaniern Lösegeld an, das, aus allen Teilen des Landes gebracht, eine Kammer mit Gold und Silber füllen sollte. Tatsächlich trafen die Schätze nach und nach ein. Die Spanier fürchteten jedoch zunehmend die Unruhen im Lande und ließen Atahualpa nach einer formlosen Gerichtsverhandlung, in der sie ihm u.a. der Ermordung seines Bruders Huáscar beschuldigten, am 26. Juli 1533 hinrichten. Der Tod Atahualpas sorgte in weiten Teilen der andinen Bevölkerung für Bestürzung, da seine Untertanen von der Unbesiegbarkeit des göttlichen Inka überzeugt waren. Andererseits bemühten sich viele Kaziken um ein Bündnis mit den Spaniern, um endlich der Unterdrückung durch die Inkaherrschaft entkommen zu können. Das riesige Inkareich begann auseinanderzubrechen.

Am 15. November 1533 betraten die Spanier die Inkahauptstadt Cuzco. Von den Reichtümern der Stadt geblendet, gaben sie sich dem Goldrausch hin, und auch viele Abenteurer aus Panama wurden durch die Berichte aus dem "Goldland" nach Peru gelockt.

Der von den Spaniern neu eingesetzte Inkaherrscher Manco Capac II. regierte zunächst in Übereinstimmung mit den Spaniern und stellte Pizarro indigene Truppen zur Seite, um Cuzco zu halten und die Anhänger Atahualpas zu bekämpfen. Manco hatte jedoch die neuen Besatzer bald Leid, und begann Anfang Februar 1536 die Spanier in Cuzco zu belagern. Mit erneuter Hilfe ihrer indigenen Verbündeten gelang es den Spaniern schließlich die Schlacht für sich zu entscheiden. Einige Chronisten, wie Poma de Ayala, berichten auch von Wundererscheinungen der Jungfrau Maria und des Heiligen Santiago, die den Spaniern angeblich beistanden. Manco musste schließlich in die Berge nach Vilcabamba fliehen, von wo aus er einen jahrzehntelangen Widerstand anführte.

Kampf der Konquistadoren gegen die Inkaarmeen
Invasion der Spanier. Wandgemälde von Juan Bravo über die "historia de Qosqo"
Bildquelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:Inca-espa%C3%B1oles.jpg

In dieser Zeit traf Pizarros Partner Diego de Almagro aus Panama in Cuzco ein, um seinen rechtmäßigen Anteil einzufordern. Da Pizarro ihm diesen nicht gewähren wollte, kam es schließlich zum Bürgerkrieg zwischen den spanischen Parteien, der jahrelang andauerte.
Nach Mancos Tod gelangte 1571 Tupac Amaru I. an die Macht, der sich den Spaniern ebenfalls vehement widersetzte. Für seine Rebellion wurde er nach seiner Gefangennahme noch im selben Jahr auf Anordnung des Vizekönigs Francisco de Toledo in Cuzco geköpft. Damit starb der letzte offizielle Inkaherrscher und der organisierte inkaische Widerstand gegen die Spanier erlosch. Den Spaniern gelang es daher erst 40 Jahre nach ihrer Ankunft in Peru das Inkareich endgültig zu erobern.

 

Peggy Goede