Peru: Relief, Fundplatz Sechin Bajo

Hintergrundinformationen zum Text

Chol gehört zu den Mayasprachen, einer Sprachfamilie, die im südlichen Mexiko und in Guatemala verbreitet ist und deren 30 Sprachen von zusammen ca. 5 Millionen Menschen gesprochen werden. Nach offiziellen Angaben für 2005 beläuft sich die Chol-sprachige Bevölkerung in Mexiko auf ca. 185.000, von denen die Mehrzahl in Chiapas leben. Chol bildet zusammen mit den beiden eng verwandten Sprachen Chontal und Ch’orti’ die Chol-Untergruppe der Mayasprachen. Für ältere Sprachstufen der Chol-Familie (insbes. des Ch’orti’) sowie der entfernter verwandten Mayasprache Yukatekisch gibt es auch fast 2000 Jahre alte Texte in der Hieroglyphenschrift der Maya.

Beispiel für eine Erzählung: »Die Entstehung der Affen«

Im Mayagebiet hat sich bis heute eine mehr oder minder lebendige mündliche Erzähltradition erhalten. Die folgende Erzählung enthält trotz ihrer Kürze wichtige Motive aus der mesoamerikanischen Kosmologie, die sich bis weit in die vorspanische Zeit zurückverfolgen lassen. Sie finden sich in vielen Erzählungen, die in verschiedenen Mayasprachen, aber auch anderen Sprachen seit der frühen Kolonialzeit dokumentiert sind und in der einen oder anderen Version auch heute noch erzählt werden.

In der mesoamerikanischen Kosmologie gibt es die Vorstellung mehrerer Weltalter, bei deren Ende die jeweilige Menschheit von den Göttern durch eine Katastrophe vernichtet wurde. Eines dieser Weltenden wird als eine Finsternis beschrieben, bei der Jaguare u. a. fleischfressende Wesen alle Menschen auffressen. Jaguare, die die Menschen in der Dunkelheit fressen, sind als Motiv ebenso mit Sonnen- oder Mondfinsternissen verbunden, wobei auch das Gestirn als vom Jaguar gefressen aufgefasst wird.

Das zweite wichtige Motiv sind die Affen als Nachfahren eines früheren Menschengeschlechts oder mythologischer Wesen, die zu einem Zerrbild des Menschen wurden. Dieser Zerrbildcharakter wird in unterschiedlicher Weise beschrieben, im folgenden Text besonders drastisch - der Kopf wird an den Hintern gesetzt (Satz 14). Eine der ausführlichsten frühen Fassungen für das Mayagebiet findet sich in K’iche’-Sprache im Popol Vuh (16. Jahrhundert): Dort werden die Menschen aus Holz durch eine Sintflut zu Affen, die von dunklen Regenwolken begleitet ist, aber auch vom Auftreten mythischer Ungeheuer, die die Menschen fraßen. In einer anderen Episode des Popol Vuh wird allerdings das mythologische Zwillingspaar Jun B’atz’ und Jun Chowen zu Affen. Ein entsprechendes Zwillingspaar mit Affenattributen wird auch Jahrhunderte früher auf klassischen Mayavasen oft dargestellt und repräsentiert die Götter des Kunsthandwerks. Bei den Azteken in Zentralmexiko waren die Affen die Nachfahren der Menschen des Weltalters, das durch Stürme beendet wurde.