Peru: Relief, Fundplatz Sechin Bajo

Guaraní

Im Lautsystem:

Starke Nasalität, die Vorrang vor anderen Betonungsvorgaben hat. Bestimmte Konsonanten sind für sich nasal, Vokale können sowohl oral als auch nasal sein, im zweiten Fall tragen sie eine Tilde. Es gibt Konsonanten die das ganze Wort nasalieren, und solche, die rück- oder vorwärts wirken. Seminasale Konsonanten sind: /mb/, /nd/, /ng/ und /nt/, nasale Konsonanten sind: /g/, /m/, /n/ und /ñ/.

Der für deutsche Muttersprachler ungewöhnlichste Laut ist das /y/, nasal oder oral gesprochen.

Es wird im Guaraní auf Klangharmonie Rücksicht genommen. Das führt dazu, dass bestimmte Prä- und Suffixe bei Nasalität der Wortwurzel ebenfalls eine nasale Form annehmen.

In der Grammatik:

Guaraní ist eine agglutinierende und inkorporierende Sprache. Die Wortwurzeln werden nicht durch Beugung verändert, sondern mit Präfixen und Suffixen versehen und untereinander kombiniert. Jede Wortwurzel hat eine Bedeutung und aus der Zusammensetzung ergibt sich Funktion oder Bedeutung des Wortes. Kuarahy »Sonne«: kua »Leben«, ra (aus dem Wortstamm hara) »etwas schaffen«, hy »Lichtstrahlen«, also »die Lichtstrahlen, die Leben schaffen«.

Über Markierungen von Genus, Kasus sowie über Artikel verfügt die Sprache nicht; selbst der Plural muss nicht unbedingt markiert werden.

Die Funktionen von Fällen und Präpositionen übernehmen Suffixe oder Postpositionen

Im Guaraní gibt es zwar keine Flektion, aber manche Wörter verändern ihren Stamm und zeigen dadurch syntaktische Relationen an. Dazu gehört Mehrformigkeit, die sich vor allem bei auf /t/ anlautenden Wörtern findet (tera »Name«, che rera »mein Name«, hera »sein Name«).

Vieles wird schlicht durch die Juxtaposition ausgedrückt, che roga kann sowohl »mein Haus« als auch »ich habe ein Haus« heißen.

Auch Substantive lassen sich in die Vergangenheit oder ins Futur setzen: haperã »sein zukünftiger Weg«.

Es gibt in der Verbkonjugation zwei Formen für die 1. Person Plural, ñande »wir« bezieht den Angesprochenen mit ein, ore »wir« schließt ihn aus.

Viele Substantive und Adjektive können verbalisiert werden. Diese chendalen Verben werden durch Voranstellung der Pronomina gebildet.

Zeiten, Modi und Aspekte werden im Guaraní mit Suffixen, seltener mit Präfixen zum Ausdruck gebracht. Es gibt deutlich mehr Nuancen als in der deutschen Sprache. Viele Suffixe zeigen die subjektive Haltung des Sprechers gegenüber dem Gesagten, seine Faktizität oder Glaubwürdigkeit. Außerdem erledigen Suffixe die Aufgabe von Adverbien, Nebensatzkonstruktionen, Konjunktionen und Relativpronomina.

Textbeispiel Moderne mit Hintergrundinformationen  

Textbeispiel Kolonialzeit mit Hintergrundinformationen 

Tonbeispiel mit Hintergrundinformationen