Peru: Relief, Fundplatz Sechin Bajo

Hintergrund_kolonial

Das Textbeispiel stammt aus dem Popol Vuh (Popol Vuh Ms. fol. 48 verso), einem der wichtigsten Texte in einer Mayasprache, die aus der frühen Kolonialzeit erhalten sind. Das Popol Vuh spannt den Bogen von der vorspanischen Schöpfungsgeschichte über verschiedene mythologische Erzählungen bis hin zur Geschichte des K’iche’-Volkes. Die erste Fassung wurde wahrscheinlich von einem christlich erzogenen Angehörigen einer der K’iche’-Fürstenfamilien um 1550 in K’iche’-Sprache unter Verwendung des lateinischen Alphabets niedergeschrieben.

Inhaltlich gehört die Passage zu den Schlüsselszenen, da sie den Übergang von den mythischen Vorfahren der K’iche’ Balamquitze, Balamacab, Mahucutah zu den historischen Vorfahren der drei K’iche’-Fürstenfamilien Cavec, Nihaib und Ahau Quiche beschreibt. Die Legitimierung der ersten Herrscher geschieht dabei sowohl durch die direkte Abkunft von den mythischen Vorfahren als auch durch den Besuch bei einem mächtigen Herrscher in einem fernen Land, der ihnen bestimmte Insignien der Macht verleiht (die sehr lange Liste wurde im Textbeispiel stark gekürzt). Die Namen des Ortes »Tulan« und des Fürsten »Nacxit« stammen nicht aus einer Mayasprache, sondern aus einer Varietät des Nahuatl. Ein Ort Tollan (Nahuatl-Schreibung) wird für die späte vorspanische Zeit in vielen Regionen Mesoamerikas als legitimierender Ursprung der Herrschaft erwähnt, wobei die genaue Zuordnung – soweit ermittelbar – im Laufe der Zeit und von Region zu Region variiert. Neben der Erwähnung im aus Guatemala stammenden Popol Vuh findet er sich beispielsweise auch als mit Binsengras dargestellte Glyphe in mixtekischen Bilderhand­schriften aus Oaxaca. So erhält im Codex Colombino der bedeutende mixtekische Fürst 8 Hirsch Jaguarkralle von diesem Binsenort einen besonderen Nasenschmuck als Herrscherinsignie.