Peru: Relief, Fundplatz Sechin Bajo

Sprachsituation in Amerika

Der amerikanische Doppelkontinent wird im Norden vom Englischen, im Süden vom Spanischen oder Portugiesischen als Staatssprachen bestimmt, jede mit weit mehr als 100 Millionen Sprechern. Diese drei Sprachen prägen das Bild der Länder Amerikas, sinnfällig z. B. auch in der Bezeichnung Lateinamerika.

Die enorme kulturelle und sprachliche Vielfalt des indigenen Amerikas wird dabei oft vergessen und als etwas Vergangenes oder als Folklore angesehen. Unbestreitbar ist die indigene Bevölkerung in fast allen Ländern Amerikas marginalisiert. Seit der Entdeckung und anschließenden Eroberung durch Spanier, Portugiesen und Engländer sind auch viele der Sprachen verschwunden. Ebenso ist ein großer Teil der heute gesprochenen indigenen Sprachen in der natürlichen Weitergabe von Generation zu Generation gefährdet.

Es gibt allerdings Regionen, in denen indigene Sprachen bis heute höchst vital sind. Dies ist vor allem im Süden Mexikos und im angrenzenden Guatemala der Fall sowie im Andenraum (Ecuador, Peru, Bolivien). Dort sprechen jeweils mehrere Millionen Menschen indigene Sprachen. Besonders in diesen Regionen haben die vielerorts begonnenen Projekte zum Spracherhalt und zur zweisprachigen Erziehung eine Chance auf Nachhaltigkeit.

Die sprachliche Vielfalt Amerikas ist groß. Allein im Süden Mexikos und in Guatemala werden rund 50 Sprachen gesprochen, die verschiedenen, nicht miteinander verwandten Sprachfamilien angehören. Ähnliches gilt auch für das Amazonasgebiet und andere Regionen.

Frühe Berichte enthalten kaum verlässliche Informationen über die Sprachsituation der ersten Kontaktzeit. Es gab aber sicherlich weit mehr Sprachen als heute, grob geschätzt zwischen 1000 und 2000. Man kann diese in etwa 150 relativ gesicherte Sprachfamilien einteilen. Einige dieser Sprachfamilien haben eine beträchtliche Verbreitung, z. B. die uto-aztektischen Sprachen von den nördlichen USA (Oregon) bis nach Nicaragua. Andererseits gibt es auch einige Sprachen, bei denen keine verwandte Sprache zu finden ist.

Manche Sprachwissenschaftler versuchen, die indigenen Sprachen Amerikas auf höheren Ebenen zu Groß-Sprachfamilien zusammenzufassen oder gar auf einen einzigen, gemeinsamen Ursprung zurückzuführen, was angesichts der meist unzureichenden Datenlage und der großen zeitlichen Tiefe, in die man spekulativ vorzudringen versucht, problematisch ist. Man versucht solche Hypothesen mit neueren DNA-Analysen zu korrelieren, durch die sich biologische Abstammungsverhältnisse der frühen Einwanderungswellen nach Amerika quantifizieren lassen.

In manchen Regionen Amerikas haben sich die Sprachen, egal ob verwandt oder nicht, durch langen Kontakt in gewissen lautlichen und grammatischen Merkmalen angeglichen, bilden also ein sogenanntes Sprachareal. Dies geht fast immer mit engem kulturellem Kontakt einher, so dass auch ein gemeinsames Kulturareal gegeben ist. Der Zusammenhang zwischen Sprachfamilien und Kulturarealen ist allerdings häufig keine Eins-zu-eins-Beziehung, so dass sich z. B. die uto-aztekischen Sprachen auf verschiedene Kulturareale verteilen (in Nordamerika: Prärie, Kalifornien, Südwesten; Mesoamerika).