Messung

Inflationsraten werden nicht nur jährlich gemessen. In Brasilien beispielsweise veröffentlicht die Fundação Getulio Vargas monatliche Inflationsraten. Während der Zeit der Hyperinflation im Deutschland der 1920er Jahre wurden sogar tägliche Inflationsraten publiziert.

Ein großes Problem bei der Messung der Inflation ist die Zusammensetzung des Warenkorbes. In den Warenkorb, den das Statistische Bundesamt verwendet, gehen 700 Produkte ein, darunter auch Bücher, Kinokarten und Benzin. Aufgrund sich wandelnder Gesellschaften und Konsumbedürfnisse bzw. -gewohnheiten muss der Warenkorb jedoch immer wieder neu zusammengestellt werden. Des Weiteren muss technologischer Fortschritt bedacht werden: Viele Produkte wie z.B. Computer oder Automobile sind heute auf einem technisch höheren Stand als vor fünf Jahren, ohne dass sich ihr Preisniveau großartig verändert hätte. In diesem Fall bedeutet das, dass man für den Erwerb eines technisch hochwertigeren Produktes zwar nominal den gleichen Preis entrichtet, man aber effektiv dafür mehr bekommt als noch vor fünf Jahren. Anders ausgedrückt: Viele Zusatzleistungen, für die man noch vor einiger Zeit extra Geld bezahlen musste, werden im Zuge technologischer Entwicklung zum Standard und erhöhen dadurch den Wert des Warenkorbs. Diesem Umstand kann wiederum durch eine Gewichtung der Produkts bei der Auswahl des Warenkorbes Rechnung getragen werden.

Die einzelnen Warenkörbe werden durch die Konsumpräferenzen des jeweiligen Landes determiniert. Spielen beispielsweise Reis und Bohnen im brasilianischen Warenkorb eine wichtige Rolle, so sind sie im deutschen Warenkorb nicht vorhanden oder deutlicher geringer gewichtet. Dennoch lassen sich die Inflationsraten rein quantitativ weltweit miteinander vergleichen, weil sie stets nach der gleichen Definition bestimmt sind, nämlich als prozentuale Veränderung des Preisniveaus zur Vorperiode.

Anders jedoch verhält es sich mit dem qualitativen Vergleich der Inflationsraten. Hierbei werden auch die Auswirkungen von Inflation auf Wohlfahrt und Wirtschaftswachstum wiedergegeben, um deren durchaus unterschiedliche volkswirtschaftliche Relevanz im Einzelfall beurteilen zu können.