Identität der Zahlungsbilanz

Ein Land kann nur dann mehr konsumieren als es produziert (Leistungsbilanzdefizit), wenn es Kapital aus dem Ausland erhält (Kapitalbilanzüberschuss), d.h. wenn ausländische Institutionen (z.B. Banken, Investitionsfonds etc.) bereit sind, dem Inland bzw. dem Staat oder den inländischen Unternehmen und Finanzinstitutionen, Geld zur Verfügung zu stellen, mit dem diese dann im Ausland Güter bezahlen können. Die Summe der beiden Elemente der Zahlungsbilanz ist konzeptuell null: Leistungsbilanz plus Kapitalbilanz = 0. Leistungsbilanzüberschuss (-defizit) = Kapitalbilanzdefizit (-überschuss).

Anhand des folgenden Beispiels soll die Identität der Zahlungsbilanz verdeutlicht werden. Stellen wir uns eine Welt mit zwei Ländern, Land A und Land B, vor. Land A exportiert Güter und Dienstleistungen in Höhe von 100 Goldtalern nach Land B, im Gegenzug importiert es allerdings 150 Goldtaler Güter und Dienstleistungen aus Land B. Die Leistungsbilanz weist demnach ein Defizit von 50 Goldtalern aus. Da Land A das Defizit finanzieren muss, weil die Exporteure in Land B Goldtaler für ihre Produkte verlangen, ist Land A gezwungen Kapital an Land B zu exportieren. Land A importiert 100 Goldtaler als Bezahlung für seine Waren und Dienstleistungen und exportiert 150 Goldtaler an Land B. Somit hat Land A einen Kapitalbilanzüberschuss von 50 Goldtalern. Da sich die Zahlungsbilanz aus Leistungs- und Kapitalbilanz zusammensetzt, addieren sich die Salden zu Null und die Zahlungsbilanz ist ausgeglichen.

Kredit

Debit

Exporte: 100

Importe:150

Leistungsbilanzdefizit: -50

Kredit

Debit

Kapitalzuflüsse: 100

Kapitalabflüsse: 150

Kapitalbilanzsaldo: +50