Zahlungsbilanz und Wechselkurse

Wie bei allen ökonomischen Kennzahlen gilt, dass weder die Leistungs- noch die Kapitalverkehrsbilanz in einem luftleeren Raum entstehen. Vielmehr sind sie Ausdruck der Art und Weise, in der Länder miteinander Handel betreiben. Welche Implikationen aus der Leistungs- bzw. Kapitalverkehrsbilanz entstehen, soll im Folgenden erörtert werden.

In Bezug auf die Leistungsbilanz, d.h. hinsichtlich des Handels mit Gütern und Dienstleistungen, sind die folgenden drei Szenarien denkbar: Entweder ist der Wert der Güter, die das Inland importiert, genauso hoch wie der Wert der exportierten Güter. Oder der Wert der Exporte übersteigt den Wert der Importe (zum Beispiel im Falle Deutschlands oder Chinas) oder der Wert der Importe übersteigt denjenigen der Exporte (z.B. im Falle der USA).

Da es sich im internationalen Handel genauso wie bei herkömmlichen Einkäufen verhält, müssen Produkte, die man erwirbt, immer auch bezahlt werden. In dem ersten oben beschriebenen Fall, nämlich dass ein Land genauso viele Güter einführt wie es ausführt, gleichen sich die Güter- und Zahlungsströme aus. Was das Land einführt, wird aus den Erträgen der Güter bezahlt, die ausgeführt werden.

Schwierig wird es jedoch dann, wenn sich die Güter- und Zahlungsströme nicht ausgleichen - denn bezahlt werden muss auf jeden Fall. Wenn ein Land beispielsweise einen festen Wechselkurs hat, das heißt, wenn die inländische Währung fest an eine andere Währung gebunden ist, muss der Ausgleich der Güter- und Zahlungsströme über die Devisenreserven (unter Devisenreserven versteht man den Bestand an Fremdwährung, welche die Zentralbank aufbewahrt) der Zentralbank erfolgen. Problematisch wird dieser Sachverhalt dann, wenn die Leistungsbilanzdefizite des Landes über eine längeren Zeitraum hinweg anhalten und die Devisenreserven sich erschöpfen. In einem solchen Fall muss ein Land für zusätzlichen Zustrom von ausländischem Kapital sorgen, schlimmstenfalls durch die Aufnahme von Krediten. Wenn wir jedoch der Einfachheit halber erst mal von flexiblen Wechselkursen ausgehen, können wir annehmen, dass Handelsströme auch eine Rückwirkung auf diesen Wechselkurs haben. Wenn z.B. Schweden mehr Güter ins Ausland exportiert, so wird die Nachfrage nach schwedischen Kronen im Ausland steigen um die Importe aus Schweden zu bezahlen. Wenn die Zentralbank die Menge an schwedischen Kronen nicht ausweitet, so steigt die Nachfrage bei gleichem Angebot. Die schwedische Krone wird als teurer bzw. sie wertet auf. Die Aufwertung führt zu einem Rückgang der Exporte, da schwedische Produkte für Ausländer nun teurer werden. Andererseits führt die Aufwertung dazu, dass Produkte anderer Länder für Schweden billiger werden und Schwedens Importe steigen. So wird der Wechselkurs stets dafür sorgen, dass die Zahlungsbilanz ausgeglichen ist.