Börries Nehe

Börries E. Nehe
Bildquelle: © Börries Nehe

Internationales Graduiertenkolleg "Zwischen Räumen"

Bewegungen, Akteure und Repräsentationen der Globalisierung

Doktorand

Aufgabenbereich

Projekt: "Land ohne Besitzer, Land von allen. Klassenkampf und Staatsbildung in Zeiten des Plurinationalismus in Pando, Bolivien"

E-Mail boerries@gmail.com

"Land ohne Besitzer, Land von allen. Klassenkampf und Staatsbildung in Zeiten des Plurinationalismus in Pando, Bolivien"

 


BetreuerInnen: Prof. Dr. Fabiola Nicté Escárzaga (UNAM), Prof. Dr. Guadalupe Valencia García (UNAM), Prof. Dr. Margarita Favela Gavía (UNAM), Prof. Dr. Liliana Weinberg (UNAM), Prof. Dr. Sérgio Costa (FU Berlin)


 

Das Amazonas Department Pando im Norden Boliviens bildet heutzutage den Dreh- und Angelpunkt wichtiger regionaler, nationaler und globaler Raumkonflikte. Lange Zeit isoliert vom bolivianischen Staat hat die Regierung von Evo Morales Pando zu einem bevorzugten Raum erklärt, um den “Staat zu machen” und ein Programm umzusetzen, das wir als “nationales Entwicklungsprogramm” bezeichnen. Dazu gehören u.a. die Ausbeutung der Biodiversität und der Erdölvorkommen, der Straßenbau im Rahmen der IIRSA und nationaler Initiativen, die Stärkung des bürokratischen Verwaltungsapparates und der Grenzen zu Brasilien und Peru sowie Programme zur Besiedlung des Urwaldes. Die Mehrheit dieser Projekte stehen im Konflikt sowohl zum “plurinationalen” Charakter der neuen bolivianischen Staatlichkeit als auch zu den Interessen der bäuerlichen und indigenen Bevölkerung der Region. Gleichzeitig war und ist Pando Bühne scharfer Auseinandersetzungen zwischen indigenen Bauern und Großgrundbesitzern, die nationale und globale Dynamiken einer Veränderung des ländlichen Raumes unterstützen. In diesem Verhältnis stellen die Forderung und Konstruktion der Autonomie Pandos eine grundlegende Strategie der herrschenden Gruppen dar. Wir gehen davon aus, dass die Konstruktion einer Staatsnation in Pando einen Bruch mit den bestehenden patrimonialen Machtverhältnissen und Mechanismen von Ausbeutung und Unterordnung und die Stärkung der bäuerlichen und indigenen Bevölkerung bedeuten kann, dass es aber auch möglich ist, dass die herrschenden Gruppen die Bewahrung ihrer traditionellen Machträume innerhalb der aufkommenden staatlichen Struktur verhandeln und ihre regionale Hegemonie behalten.

Folgende grundlegende Fragen leiten die Untersuchung:

Welche Strategien zur Produktion und Aneignung des Raumes haben die bäuerlichen und indigenen Bewegungen auf der einen Seite und die herrschenden Gruppen auf der anderen Seite benutzt? Wie passen sie sich dem neuen Szenario an? Wie drückt sich die neue staatliche Räumlichkeit in den schon existierenden geographischen, politischen und symbolischen Räumen aus? Auf welche Weise greifen die globalen, nationalen und regionalen Dynamiken des Kapitalismus in die (Re)Konstruktion des Lokalen ein und wie reagieren die lokalen Akteuere darauf?