Mexico, Guanajuato

Raumkonzepte und Raumproduktion im Kontext des Chaco-Kriegs (Bolivien und Paraguay, 1928-1938) (Promotionsprojekt)

Institution:

ZI Lateinamerika-Institut

Leitung:

Abstract

Der Chaco-Krieg (1932-1935) war der blutigste internationale Krieg Südamerikas des 20. Jahrhunderts. Paraguay und Bolivia kämpften um die Kontrolle des Chaco Boreal, des nördlichen Teils der Gran Chaco Region. 1928 begann der Konflikt zwischen den beiden Nationen sich zuzuspitzen; drei Jahre nach Beendigung der Kampfhandlungen, 1938, unterzeichneten Bolivien und Paraguay einen Friedens- und Grenzvertrag. In dieser Zeit war das besagte Territorium ein Zwischenraum, ein Raum, der zu keiner Nation eindeutig gehörte: Der größte Teil der Bevölkerung des Chacos sah sich selbst weder als bolivianisch, noch als paraguayisch an. Darüber hinaus bot der Chaco Boreal nur wenige ökonomische Möglichkeiten. Was wollten die kriegführenden Länder mit diesem scheinbar wertlosen Gebiet anfangen? Welche Entwicklungs- und Integrationsprojekte entwickelten die verschiedenen (staatlichen und nichtstaatlichen) Akteure für den Raum Chaco Boreal? Um diese Fragen zu beantworten will ich im Rahmen meines Forschungsprojektes die Repräsentationen/Konzeptionen des Chaco Boreals in der Zeit des Chaco-Kriegs untersuchen.

Ausgehend von der Theorie der Produktion des sozialen Raums von Henri Lefebvre (1901-1991) wird im Forschungsprojekt angenommen, dass die Repräsentationen eines natürlichen Raums in eins fällt mit dessen Konzeption: Der repräsentierte Raum wird als ein Raum mit einem bestimmten Potenzial dargestellt, das zu Tage tritt, wenn eine bestimmte räumliche Praxis angewendet wird. Diese Repräsentationen/Konzeptionen des Chaco Boreals, die in der Zeit des Chaco Kriegs entwickelt wurden, und wie sie den Prozess der Produktion des Raums Chaco Boreal beeinflusst haben, sollen im Forschungsprojekt untersucht werden.