Mexico, Guanajuato

Grenzkultur und kulturelle Grenzen im Rio de la Plata Raum. Exemplarische Werke

Ziel des Projektes ist es, am Beispiel der Literatur und Kultur des Río de la Plata-Raums das gespannte Beziehungsgeflecht nationaler, transnationaler, regionaler und globaler Kultur im 19. und 20. Jahrhundert zu untersuchen. Anlass dieses Projektes ist die Beobachtung, dass weltweit regionale Kulturen (binnen- und transnationale regionale Kulturen) in dem Maße eine Aufwertung erfahren, wie die Nationalstaaten aufgrund der Globalisierung an politischer und kultureller Souveränität verlieren. In diesem Prozess werden einerseits traditionelle politische und kulturelle Grenzen in Frage gestellt und durch neue (kulturelle) Grenzziehungen ersetzt, andererseits treten neue kulturelle Einschließungen und Ausgrenzungen anstelle der überkommenen.

Die interdisziplinär angelegte Untersuchung, an der Literaturwissenschaftler und Linguisten aus Brasilien und Deutschland teilnehmen, wird sowohl komparatistisch (hinsichtlich der traditionellen nationalen Kulturen) als auch mit den Verfahren der Kulturkritik (vor allem hinsichtlich der neuen, noch nicht abgeschlossenen Ein- und Ausgrenzungsprozesse) arbeiten.

Ihr Ziel ist, aufzudecken, wie seit der Festlegung der nationalen Grenzen im 19. Jahrhundert im Río de la Plata-Raum diese Grenzen und die durch sie bestimmten nationalen Identitäten durch die Gaucho-Kultur immer wieder konstruiert und dekonstruiert worden sind. Das Projekt wird der Frage nachgehen, in welchem Maße die Texte, ihre Autoren, die literarischen Figuren, die Handlungsräume, die Sprache und die Leser als Repräsentanten bzw. Ausdrucksformen einer Grenzwelt interpretiert werden können, die durch permanente Überschreitungen und Subversionen charakterisiert ist. Diese Frage soll anhand von brasilianischen, uruguayanischen und argentinischen Werken und Autoren untersucht werden, die sowohl innerhalb wie auch außerhalb des Kanons stehen. Hierfür werden drei Untersuchungslinien festgeschrieben: die ersten beiden sind durch ihr chronologisches Nacheinander bestimmt und die dritte wird transversal durch die beiden ersten gelegt:

1. Forschungslinie: "Herausbildung der Nationalliteraturen als selektiver Akt kultureller Ausgrenzungen sowohl nach innen (gegen Binnenregionalismen) wie auch nach außen (transnationale Regionalismen, Befreiung von internationalen Abhängigkeiten, besonders als Kritik des Kolonialismus)."

2. Forschungslinie: "Der Gaucho als 'Grenzfigur', sein 'Tod' wie auch seine postkoloniale und postmoderne 'Wiederauferstehung'".

3. Forschungslinie: "Sprachgrenzen: Vermischungen und Entgrenzungen auf dem Feld der Lexik, der Syntax und der Pragmatik".

 

Institution:

Lateinamerika-Institut

Leitung:

Prof. Sandra Nitrini

Mitarbeiter/innen:

Prof. Maria Helena Martins (USP und UFRGS),
Dr. Léa Masina,
Prof. Gilda Neves,
Dr. Horst Nitschack,
Prof. Sabine Schlickers,
Prof. Werner Thielemann

Förderung:

Das Projekt Wurde 2004 und 2005 von CAPES und DAAD im Rahmen des Probral Programmes unterstützt.
Forschungsschwerpunkt: