Mexico, Guanajuato

Verbundprojekt Altamerikanistik/Geschichte: Von Indoamérica zu Abya Yala: Ethnopolitische Bewegungen und kulturelle Vermittlungen eines indigenen Amerika im 20. Jahrhundert

Institution:

Freie Universität Berlin

ZI Lateinamerika-Institut

Leitung:

Mitarbeiter/innen:

Forschungsschwerpunkt:

Im Verlauf des 20 Jahrhunderts werden in Lateinamerika zunehmend homogenisierende Nationalstaatskonzepte, die zur Ausgrenzung indigener Bevölkerungen geführt hatten, in Frage gestellt. Indigenistische Ansätze vom Beginn des 20. Jahrhunderts orientierten sich hierbei oftmals stark an europäischen Ideen und Vorstellungen, insbesondere marxistisch geprägten Theorien. Ihre Anpassung an eine „indigene Realität“ Lateinamerikas, wie die Bezeichnung Indoamerika (Haya de la Torre) postuliert, präsentiert sich als (trans-) nationaler Gegenentwurf zu westlichen Hegemonie, verharrt dabei jedoch in der Vorstellung einer homogen gedachten Nation. Seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sind es zunehmend indigene Organisationen, die auf die Anerkennung ihrer kulturellen und ethnischen Diversität bestehen und ihre Rechte auf Selbstbestimmung innerhalb als jetzt plurinational konzeptionalisierter Nationalstaaten einfordern. Hierfür steht der Begriff Abya Yala, die Bezeichnung der Kuna-Indigenen Panamas für die Amerikas.

© Anne Ebert, Benjamin Otero, Tabea Huth, Antje Dieterich

Im Rahmen des Projektes werden unterschiedliche politische wie auch soziale Bewegungen, die über ethnische Zuschreibungen kollektive Identitäten definieren, betrachtet. Der regionale Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Andenraum, Zentralamerika und Mexiko, wobei immer auch eine transnationale bzw. transregionale Perspektive zu berücksichtigen ist.

Zentrale Fragestellungen sind dabei auf die Konstruktion und Funktion von Konzepten wie Rasse und Ethnie ausgerichtet. Des Weiteren wird untersucht, wie die hier betrachteten Bewegungen international wahrgenommen werden und welche Rückwirkungen auf diese davon ausgehen.

Dem Bezug auf Räume und/oder Territorien kommt im Zuge der Herausbildung kollektiver Identitäten eine wichtige Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang soll untersucht werden, welche Rolle die verschiedenen Raumvorstellungen spielen, die sich zwischen mythisch-historischen Bezügen und konkreten Landforderungen bewegen. Die Konstruktion von Raumkonzepten im Rahmen vielfältiger indigener kollektiver Identitäten stehen immer wieder im Konflikt zu homogen angelegten Nationenkonzepten. Daher sollen sowohl Prozesse der Integration, Assimilation und Ausgrenzung indigener Bevölkerungsgruppen, als auch Antworten und Strategien indigener Bewegungen darauf untersucht werden.

Ziel ist es im Rahmen des Projektes deutlicher die Akteursebene auch von sogenannten „subalternen“ Akteuren sowie Transferprozesse von Ideen, Ideologien, Theorien und Vorstellungen einzubeziehen und somit das Potential aber auch mögliche Grenzen dieser Bewegungen zu ergründen. Vielfältige und bereichernde Forschungsperspektiven ergeben sich zudem aus der Verbindung der unterschiedlichen methodologischen und theoretischen Zugänge der Geschichtswissenschaft und der Kulturanthropologie/Altamerikanistik.

 

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