Mexico, Guanajuato

Laboratorien der Moderne und Enklaven in der Karibik (1880-1940): Nationenbildung, Transnationalismus und das Urbane als neue Ordnung (Post-doc-Forschungsarbeit)

Institution:

Lateinamerika-Institut

Ansprechpartner:

Dr. phil. Liliana Gómez

E-Mail:

Kurzbeschreibung

Mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 fand eine Verschiebung der Grenzen zweier Regime bzw. Imperien statt, durch die sich insbesondere die Karibik als ein Raum von Besetzung, Aneignung, Modernisierung und Widerstand, beschleunigte Zirkulation von Gütern, Produktionen und Technologien, Menschen und Kulturen konfigurierte. Dabei taucht ein Phänomen insbesondere auf, nämlich das der Enklaven, das nicht nur die Expansion der US-amerikanischen Wirtschaft und die politische Einflussnahme charakteristischerweise widerspiegelt, sondern die moderne Nationenbildung in der Karibik mit prägt und somit dem Moderne-Projekt entscheidende Konturen verleiht. Als synchrone Zeit der imperialen Ausdehnung der Vereinigten Staaten von Amerika und der neuen „Nationen“ konfiguriert die Enklave jene Laboratorien der Moderne in der Karibik und das Urbane als neue Ordnung. Als Chronotopos verdichtet sie Prozesse der Nationenbildung, des Widerstandes und des Gedächtnisses und artikuliert spezifische Charakteristika dieser transnationalen Expansion.

Ausgehend von der Konzeptualisierung der (agrar-urbanen) Enklaven wie etwa der Bananen- und Zuckerproduktion soll die moderne Konfiguration der Karibik vor dem Hintergrund eines ewigen Überganges hin zu einer Modernität untersucht werden. Die Enklave stellt hierbei eine funktionalistische, technologisch-urbane Idee dar und zeitigt eine utopische/anti-utopische Konstruktion. Diese wiederum lässt sich als synchrone Zeit eines Chronotopos bestimmen, von dem aus sich der nationale Raum oder die modernen Nationen der Karibik konstituieren. Somit liegt der Untersuchung dieser Prozesse, die zwischen Transnationalismus und Nationenbildung oszillieren, die Beobachtung zugrunde, dass sich das Moderne-Projekt über das Urbane, d.h. Urbanisierung der Gesellschaft, konfiguriert und dass das Urbane dabei als neue Ordnung in Erscheinung tritt. Dieser historische Umbruch kann insbesondere anhand der Enklave entziffert werden, die sowohl als Phänomen selbst diese Transformationsprozesse widerspiegelt, als sie auch epistemische Figur ist, die Aufschluss darüber gibt, wie sich die modernen Machttechnologien und neuen diskursiven Praktiken einer veränderten (post)kolonialen Macht-Wissen-Konstellation formieren. Die Analyse orientiert sich deshalb an der Rekonstruktion dieser diskursiven Praktiken in Literatur und Kultur, die von der Verflechtung von Politik und Wirtschaft aus und in einem Bezug zu einem symbolisch konstruierten (nationalen) Raum gedacht werden. Somit wird die Beziehung zwischen sozialer Praxis von Herrschaft einer Gouvernementalität und den kulturellen Vorstellungen in den (post)kolonialen Ländern/Regionen, nämlich insbesondere Puerto Rico und Kuba, wie auch Kolumbien und ggf. Louisiana, in den Blick genommen, um nicht zuletzt jenen Grenzverschiebungen, der Frage nach der Geschichte und den Erinnerungspraktiken und Ausblendungen nachzugehen.