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Quitoschule

Schon in vorspanischer Zeit als inoffizielle Inkahauptstadt geltend, wurde Quito unter Führung von Sebastián de Benalcázar von den Spaniern erobert. Am  6. Dezember 1534 gründeten sie auf den Ruinen der alten Inkastadt das koloniale San Francisco de Quito, wo schon bald eine rege Bautätigkeit von Kirchen und Klöstern einsetzte, so dass Quito sich zu einem der bedeutendsten Kunst- und Kulturzentren Südamerikas entwickelte.

1535 kam der der flämische Franziskanermönch Jodoco Ricke de Marselaer in das Gebiet des heutigen Ekuador und gründete hier zusammen mit seinem Kollegen Pedro Gosseal 1551 die erste Kunstschule Südamerikas, das Colegio de San Juan Evangelista, das 1555 in Colegio de San Andrés umbenannt wurde. Die Schule unterrichtete die Quechua- und Aymara-Indios, Mestizen und arme Spanier in den diversen Kunstgatttungen wie Malerei, Bildhauerei, Web-, Silber- und Goldschmiedekunst.

Da es anfangs noch nicht genügend Künstler vor Ort gab, um die enorme Nachfrage nach religiösen Kunstwerken zu befriedigen, wurden zahlreiche Kunstobjekte aus Rom, Flandern oder Spanien in die Klöster und Kirchen von Quito gesandt, um dort nach und nach von den Künstlern kopiert zu werden. Gearbeitet wurde jedoch wie in Europa auch nach Stichen, wobei das Bild hier möglichst detailgetreu übernommen wurde. Schnell wurden jedoch sowohl europäische Motive als auch Techniken den lokalen Begebenheiten angepasst, so dass z.B. katholische Heilige indianische Gesichtszüge trugen.

In Quito, das lange Zeit stark vom Barock dominiert wurde, bedienten sich die Künstler der im mittelalterlichen Europa und später in den kolonialen Anden beliebten Brokattechnik, um die Kleidung der Heiligen und ihre Attribute zu vergolden. Teilweise wurde diese Vergoldung mit Blumenmustern kombiniert.

Auch in Quito diente die Kunst zur Christianisierung der indigenen Bevölkerung, so dass religiöse Motive den Themenkanon beherrschten. Besonders das Bild der Jungfrau Maria wie im Gemälde der Virgen de Latacunga zu sehen, wurde neben der Darstellung von Christus und Heiligen, bevorzugt abgebildet. Doch auch biblische Themen wurden gerne illustriert. Aus den religiösen Motiven entwickelte sich nach und nach die Porträtmalerei, so dass Bischöfe, Mönche und schließlich die Mitglieder der Oberschicht gezeigt werden konnten. Leider sind uns die Stifter der Bilder selten bekannt, so dass eine ergänzende Dokumentation zu den Werken kaum existiert.

 

Beispielbild:

"La Virgen con Niño", siglo XVIII, atribuído a Mateo Mexía (Monasterio de Santa Catalina Quito) http://www.edufuturo.com/fotosRemote.php?id=10928 (20.04.2008)

 

Die Entwicklung der Quitomalerei läßt sich zwar nicht an dem fast 300 Jahre konstanten Themenkatalog ablesen, wohl aber an den wechselnden Farbpaletten. In der 1. Phase der Quitomalerei dominierten dunkle Farben und spanisch düsterer Realismus. Als die Kolonialverwaltung sich schließlich fest etabliert hatte und die Unruhen in Amerika langsam nachließen, wurde auch die Farbpalette weicher und ruhiger, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts in leuchtenden, klaren Tönen gipfelte. Die Schwermütigkeit der frühen Kolonialzeit war damit auch bildlich einem leichterem Lebensgefühl gewichen. Als berühmter Vertreter dieser neuen Stilrichtung Quitos galt Manuel Sanmaniego, der eine heute noch im Original existierende Abhandlung über Malerei verfasste. Sanmaniegos Werke waren so individuell, dass seine Werke fast sämtlichst identifiziert werden können. Mit ihm endete der Kreis der Quitokünstler, auch wenn sein Schüler Antonio Salas seine Lehren bis ins 19. Jahrhundert trug.

In moderner Zeit wurde Quito, heutige Hauptstadt der Republik Ekuador, wegen seiner prachtvollen Bauten und Kunstschätze 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

 

Beispielbild:

"La Primavera", Miguel de Santiago (Museo Colonial, Quito), http://www.edufuturo.com/fotosRemote.php?id=14706 (18.07.2008)

 

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