Bilderserie aus der Cusco-Malschule (19. Jh.)

aus: Thomas Cummins, Incas Reyes del Perú (2005), S. 296-297 © Banco de Crédito del Perú
Bilderserie, Cusco, ca. 1850-1875, Ölgemälde, Museo Nacional de Arequeología, Antropología e Historia del Perú, Lima.

Es handelt sich hier um eine weitere Serie einer imaginären mythisch-genealogischen Darstellung der Inka-Herrscher in Form einzelner Ölgemälde. Sie entstand, wie viele andere des 19. Jahrhunderts, als "Massenprodukt"  und wird den Malern der Cusco-Malschule zugeschrieben. In der ersten Reihe auf den Bildern links und rechts außen, sind der 1. Inka-Herrscher, Manco Capac, und Mama Ocllo dargestellt, sie bilden das mythische Geschwister - bzw. Ehepaar. Zwischen ihnen befinden sich (v.l. n. r.) Sinchi Roca, Lloque Yupanqui, Mayta Capac. In der 2. Reihe sind Capac Yupanqui, Inca Roca, Yahuar Huaca, Viracocha und Pachacutec Inca Yupanqui und in der 3.Reihe (v.l.n.r.) Inca Yupanqui, Tupac Yupanqui, Hayna Capac, Huascar und der letzte Inkaherrscher Atahualpa zu sehen (Siehe hier, die einzelnen Inka-Herrscher). In dieser Bilderserie finden wir 14 Inkaherrscher sind es doch in der Bilderserie aus dem ethnologischen Museum 13 "porträtierte" Inka-Herrscher. 

Zwischen dem 9. Inka-Herrscher Pachacutec Inca Yupanqui und dem 10. Inkaherrscher Tupac Yupanqui drängt sich ein Porträt mit dem Namen Inca Yupanqui, Inca X.. Die heutige Forschung nimmt aber an, dass nachdem Pachacutec Inca Yupanqui das Volk Chanca erfogreich erobert hatte, er seinen Namen (Inca) Yupanqui in Pachacutec Inca Yupanqui änderte. Die Künstler jener Zeit, wie die Forscher heute, konnten auf eine eindeutige Geschichtsschreibung über die Inka und ihre Herrscher nicht zurückgreifen, kusier(t)en doch in den zahlreichen kolonialen Chroniken zu viele Namen und kontroverse Geschichten über das Wirken und Leben der einzelnen Inka-Herrscher.

Imaginäre Porträts vormaliger Inka-Herrscher

Die Imagination der Künstler und die Vorlagen aus den vorhergehenden Jahrhunderten (vorwiegend die Zeichnungen in den Chroniken) waren auch hier wieder Führer des Pinselstrichs. Dienten die früheren imaginären Inka-Herrscherdarstellungen einer Rekonstruktion der Inka-Geschichte, einer Legitimierung ihrer Herrschaft und derer Exklusivität, handelt es sich bei den Serien von Inka-Herrscherdarstellungen des 19. Jahrhunderts, wie die oben abgebildete Serie, um ein wirkliches Massenprodukt, das Antwort auf die Nachfrage der Reisenden in die Neue Welt nach adäquaten Souvenirs gab.

Janet Lejcek