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Dies & das

Das Neujahrsfest der Comcáac (Bericht von Lasse Hölck)

In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 2014 feierten die Comcáac im mexikanischen Bundesstaat Sonora ihr traditionelles Neujahrsfest. Die Comcáac sind eine indigene Gruppe in der Wüste von Sonora, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Jäger und Sammler gelebt haben. Seit den erheblichen Gebiets- und Bevölkerungsverlusten um die Wende zum 20. Jahrhundert ist ihnen ein Leben als „Wildbeuter“ heute nicht mehr möglich. Dennoch behaupten sich die Comcáac als eigenständige Sprachgruppe in den Küstendörfern Punta Chueca und Desemboque und zelebrieren jährlich die Reife der Kaktusfrüchte in der Wüste von Sonora, die mit dem Beginn der Regenzeit in den Sommermonaten einsetzt.

Seit 2011 laden die Comcáac ihre mexikanischen Nachbarn zu diesem Ereignis ausdrücklich ein und auch ich bin bei meinem letzten Aufenthalt zu einem Besuch der Feierlichkeiten aufgefordert worden. In diesem Jahr konnte ich die Gelegenheit ebenfalls dazu nutzen, meine jüngsten Quellenauswertungen zur Geschichte dieser bemerkenswerten Menschen mit den historischen Erzählungen der Dorfältesten abzugleichen und mich auf den neusten Stand der Dinge zu bringen. Nachdem der Gemeinderat der Provinzhauptstadt Hermosillo im Dezember 2012 angekündigt hatte, fortan eine Veranstaltungswoche zu finanzieren, um die Kultur der auch als „Seris“ bekannten Comcáac der mexikanischen Bevölkerung zugänglich zu machen, konnten im letzten Jahr die Gäste des Neujahrsfestes in Punta Chueca zusätzlich verköstigt werden. Dieses Jahr wurden die öffentlichen Mittel jedoch kurz vor dem Neujahrsfest mit Verweis auf andere Kulturförderungen wieder gestrichen. Den etwa 100 mexikanischen Gästen in Punta Chueca wurde dennoch einiges geboten. Nicht nur gab es einen Auftritt der Gruppe Hamac Caziim zu bewundern, die traditionelle Gesänge der Comcáac in modernen Heavy Metal- Rhythmen vorträgt. Auch durften die Besucher den Pithaya- Wein kosten, der schon vor Jahrhunderten den Jesuitenmissionaren als ausgesprochen schmackhaft aufgefallen war.

Es bleibt zu hoffen, dass solche Veranstaltungen das Misstrauen zwischen Mexikanern und Comcáac abzubauen helfen und zur Überwindung der konfliktreichen Vergangenheit beitragen können. Während sich die lokale Regierung aus dem Verständigungsprozess wieder zurückzieht, erfreut sich das indigene Neujahrsfest bei der Bevölkerung hingegen zunehmender Beliebtheit.

Kurzfilm

"Galaktische Performance" am Lateinamerika-Institut. Eine filmische Dokumentation

"Galaktische Performance" am Lateinamerika-Institut. Eine filmische Dokumentation

Im Juli 2013 fand in der Bauhaus-Architektur des LAI-Treppenhauses eine poetische Performance zu den "galáxias" statt, dem Hauptwerk des brasilianischen Dichters Haroldo de Campos. Ausführende waren Studierende und Dozentinnen und Dozenten aus verschiedenen Ländern. Die Inszenierung war Auftakt einer Internationalen Tagung zur Konkreten Poesie in Brasilien, in deren Rahmenprogramm außerdem eine vielsprachige Hommage an die Berliner Dadaistin Hannah Höch zur Aufführung gebracht wurde. Der Kurzfilm dokumentiert diese der Poesie gewidmeten Veranstaltungen des Bereichs Literaturen und Kulturen am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin.
Konzept: Susanne Klengel und Jasmin Wrobel
Kamera und Produktion: Cristian Pirjol
Zum Film

Amt & Würden

Stefan Rinke, Professor für Geschichte am LAI, wurde am 11. September 2014 auf der Generalversammlung des XVII Congreso Internacional de AHILA “Entre Espacios: La historia latinoamericana en el contexto global” zum neuen Präsidenten der Asociación de Historiadores Latinoamericanistas Europeos (AHILA) bis 2017 gewählt.

Martina Sproll, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Soziologie ist seit Juni 2014 Vertrauensdozentin der Hans-Böckler-Stiftung.

Neues Gebäude

Die Freie Universität hat dem LAI wegen des großen Personalzuwachses der letzten Jahre zusätzlich zu den bisherigen Gebäuden am Breitenbachplatz und in der Boltzmannstraße 1 ein weiteres Gebäude in der Boltzmannstraße 4 zur Verfügung gestellt. Seit dem Sommersemester sind dort die Büros des Internationalen Graduiertenkollegs „Entre Espacios“, der Teilprojekte des SFB 700, der DFG-Forschergruppe „Akteure der kulturellen Globalisierung, 1860-1930“ sowie von Carbiocial untergebracht.