Cuba

Lehrforschungskonzept

© Grenzen in Bewegung - Vorstellungsrunde an der UCR
© Grenzen in Bewegung - Vorstellungsrunde an der UCR

Exkursion „Grenzen in Bewegung – Fronteras en Movimiento: Soziale und kulturelle Dynamiken in Zentralamerika“ (März/April 2008)

Vorbereitung

Kooperationspartner

Exkursionsprogramm

Evaluation

 

Konzept

Das Lehrforschungsprojekt „Grenzen in Bewegung“ widmet sich einem Thema von höchster Aktualität: Globale Wandlungsprozesse verändern die Bedeutung der Nationalstaaten und die Beziehung zwischen Staaten und Gesellschaften. Liberalisierung von Handels- und Finanzbeziehungen, legale und illegale Migrationsbewegungen oder auch Tourismus sind Beispiele für transnationale Bewegungen, die Grenzen und Grenzräumen neue Bedeutungen geben. Gerade im Grenzraum zwischen Costa Rica und Nicaragua lassen sich Prozesse beobachten, in denen die Dynamiken der Grenzräume die jeweiligen Zentren der Nationalstaaten schwächen, und Staatsgrenzen, die historisch wenig Relevanz besaßen, stärker befestigt und gesichert werden.

Das Gebiet auf beiden Seiten der etwa 300 Kilometer langen Grenze zwischen Costa Rica und Nicaragua bildet für die Forschung zu Grenzräumen also eine privilegierte Region. Obgleich bislang auf internationaler Ebene politisch und wissenschaftlich kaum beachtet, zeigen sich hier paradigmatisch die ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Folgen des seit Mitte der 1990er Jahre mit dem Inkrafttreten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zu beobachtenden Rebordering Nord- und Mittelamerikas. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Kontext der costaricanischen Grenzprovinz Guanacaste zu. Während der Kolonialzeit gehörte Guanacaste zu Nicaragua und wurde erst 1824 im Prozess der nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen Teil des costaricanischen Territoriums. Guanacaste gilt daher als Region gemeinsamer sozialer und kultureller Erfahrungen sowie intensiver ökonomischer Verflechtungen zwischen Costa Rica und Nicaragua. Heute kristallisieren sich hier die Effekte beschleunigter Globalisierung: Grenzüberschreitende Bewegungen und Phänomene wie Migration und Tourismus setzen transnationale und transkulturelle Dynamiken in Gang. Sie gehen einher mit neuen Formen sozialer und politischer Marginalisierung, verschärften Sicherheitspolitiken, v.a. im Bereich der Grenzsicherung, sowie mit neuen Konstruktionen und kulturellen Imaginationen des „Anderen“ auf costaricanischer und nicaraguanischer Seite, die sich nicht nur auf den physischen Grenzraum beschränken. Die Grenze wird zu einer Grenze, die teilt und der Grenzraum zum umkämpften Territorium. Im Rahmen des Lehrforschungsprojektes „Grenzen in Bewegung“ wird dieser Grenzraum aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven betrachtet und analysiert (Geschichte, Politikwissenschaft, Soziologie, Ethnologie, Literatur- und Kulturwissenschaften).

Im Zentrum des Projekts stand eine Exkursion vom 23. März bis zum 5. April nach San Jose und Liberia (Grenzprovinz Guanacaste) in Costa Rica sowie nach Managua, Masaya und Granada in Nicaragua. Das Programm der Exkursion sowie die studentischen Forschungsprojekte, die während der Vorbereitung in Berlin konzipiert und während der Reise als Feldforschungen durchgeführt wurden, hatten zum Ziel einen Grenzraum am Beispiel der costaricanisch-nicaraguanischen Grenzregion in seinen verschiedenen Dimensionen wissenschaftlich zu beleuchten. Hierzu gehören zum einen die Betrachtung der historischen Entwicklung und der kulturellen Repräsentationen (Imaginationen des Grenzraumes und des Grenzflusses Río San Juán in der literarischen und kulturellen Produktion). Zum anderen wurden aktuelle soziale und politische Probleme wie Sicherheitsfragen, die Konkurrenz verschiedener religiöser Orientierungen, Folgen des Freihandels, das Phänomen der Maquiladoraindustrie sowie Migration und Tourismus behandelt.

Die beteiligten Institutionen in Berlin (LAI), Costa Rica (CIHAC-UCR) und Nicaragua (IHNCA-UCA) sowie die verschiedenen disziplinären Zugänge zu dem interdisziplinären Themenbereich „Grenzräume“ in Lateinamerika sollen zum einen die institutionelle Kooperation zwischen dem LAI und den betreffenden Universitäten der zentralamerikanischen Region stärken. Zum anderen soll der wissenschaftliche Austausch im Bereich der kultur- und sozialwissenschaftlichen Lehre und Forschung zum Thema gefördert werden. Und schließlich schreiben die Studierenden auf der Basis der Exkursionsergebnisse ihre Abschlussarbeiten.