Cuba

Hengstermann, Mayarí

Lesbische und schwule Bewegungen in Costa Rica

Mayarí Hengstermann

MA Interdisziplinäre Lateinamerikastudien

E-mail: mayarihengstermann@gmx.de

 

Projektbeschreibung

In einigen Ländern Lateinamerikas, wie beispielsweise in Brasilien, Argentinien und Mexiko,  haben Gay and Lesbian Bewegungen (LGBT) seit den 1990er Jahren mehr Freiheiten, Öffentlichkeiten und Respekt gewonnen. Dies ist sowohl Ergebnis der politischen Aktivitäten an der „Basis“ wie auch akademischer Debatten. In den Ländern Zentralamerikas hingegen stößt das Thema der Homosexualität bislang kaum auf öffentliche Akzeptanz und ist in wissenschaftlichen wie politischen Debatten nach wie vor weitgehend unsichtbar.

Es ist infolgedessen nicht erstaunlich, dass die Situation von LGBT in Zentralamerika durch diverse Formen von Homophobie, Diskriminierung und Exklusion sexueller Vielfältigkeiten geprägt ist. Zu den wichtigsten Gründen hierfür gehören kollektive Vorstellungen und Praktiken einer (gewalttätigen) Form von Männlichkeit, die Robert Connell als “hegemoniale Form von Männlichkeit“ bezeichnet (Connell zitiert nach Zapata 2001:232-233). Den Daten des Centro de Investigación y Promoción para la América Central de Derechos Humanos (CIPA/DDHH) zufolge ist die Homophobie in dieser Region noch vor dem Rassismus und ethnischer Marginalisierung der am weitesten verbreitete Grund für Diskriminierung. Die Formen der Abwertung von Lesbierinnen und Gays erstrecken sich von ihrem Arbeitsleben, über ihre Möglichkeiten der politischen Partizipation bis hin zur Diskriminierung in der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Homophobie wird also auch auf der Ebene der staatlichen Institutionen reproduziert. Auch in Costa Rica, der so genannten „Schweiz Zentralamerikas“, ist die Haltung von Staat und Gesellschaft gegenüber Homosexuellen nach wie vor von Ablehnung und Diskriminierung geprägt, obwohl hier im Unterschied zu den Nachbarländern der Region wie Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala, der öffentliche Diskurs den Anschein eines Szenariums der Toleranz erweckt.

Daher kann eine Analyse verschiedener Politiken und Diskurse zur Gleichstellung der homosexuellen Bevölkerung in Costa Rica neue Erkenntnisse darüber erbringen, welche Fortschritte und Erfolge mit der Organisation und Mobilisierung von verschiedenen Gruppen von Lesbierinnen und Gays de fakto erreicht wurden. Fokussiert werden dabei insbesondere jene Mobilisierungen, die erstmals juristische Forderungen zu Themen des Erbrechts, sozialer Sicherheit, Bildung, Wohnung usw. stellten.

Forschungsziel

Anhand der Analyse von zwei LGBT Gruppen aus Costa Rica und den realisierten  „Tiefeninterwiews“ mit Gays und Lesbierinnen, werde ich eine Analyse über die Situation der homosexuellen Gruppen in San José, Costa Rica, durchführen. Ferner werden ausgewählte öffentliche Debatten zum Thema der Homosexualität, politische und soziale Erfahrungen, die Dynamiken der sozialen und politischen Partizipation, sowie die Bedeutung, welche die Gruppen der Lesbierinnen und Gays dieser Debatte  gegeben haben, weiteres Material und Grundlage für die Analyse sein.