Cuba

Doemling, Sophia

Attraktivität der iglesias evangélicas in Costa Rica und Nicaragua – Ein Vergleich am Beispiel von Pfingstkirchen mit neopfingstlichen Elementen in San José und Managua

Sophia Dömling

MA Internationale Beziehungen

E-mail: sophiadoemling@hotmail.com

 

Projektbeschreibung

¡Gloria a Dios! Das Phänomen der iglesias evangélicas ist in Costa Rica und Nicaragua kein neues. Insbesondere seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts begannen die Kirchen, Fuß zu fassen und Menschen anzuziehen. Das Spektrum der iglesias evangélicas ist breit gefächert, schließt Historische Kirchen (z.B. Lutheraner) und Evangelikale (z.B. Misión Centroamericana) genauso ein wie „traditionelle“ Pfingstkirchen (z.B. Asambleas de Dios) und so genannte Neo-Pfingstkirchen (z.B. El Verbo). Diese „Kategorien“ sind seit den Neuziger Jahren in Costa Rica und Nicaragua – wie auch in anderen Ländern Lateinamerikas – neuen Dynamiken unterworfen: neopfingstliche Elemente dringen zunehmend in Liturgie (z.B. Betonung der Emotionalität) und Diskurse (z.B. Prosperitäts-Diskurs) der traditionellen Pfingstkirchen ein und lösen eine Art „Wanderungsbewegung“ innerhalb der iglesias evangélicas zugunsten der Kirchen aus, die solche Charakteristika (bereits) aufweisen.

Die zentrale Frage des im Rahmen des Projektkurses „Grenzen in Bewegung – Soziale und kulturelle Dynamiken in Zentralamerika“ entwickelten Projekts ist die nach den Gründen für die Attraktivität der Pfingstkirchen mit neopfingstlichen Elementen in Costa Rica und Nicaragua, d.h. in zwei Kleinstaaten Mittelamerikas, deren sozioökonomische Gegebenheiten und jüngste Geschichte sich unterschiedlich darstellen und in denen Pfingstkirchen dennoch eine ähnlich starke Präsenz aufweisen. Durch folgende Unterfragen wird sich den unterschiedlichen Aspekten der Attraktivität genähert: Welche Rolle kommt den in den Kirchen herrschenden Ansätzen zur Individualisierung der Gläubigen bei gleichzeitiger Präsenz kollektiver Strukturen zu? Inwiefern spielen das in den Kirchen vermittelte Gottesbild und die vorherrschenden Weltanschauungen eine Rolle für ihre Attraktivität? Auf welche Art und Weise wird die Attraktivität durch neo-pfingstliche Elemente in den Kirchen konstituiert? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede lassen sich bezüglich der Gründe für die Attraktivität von Pfingstkirchen in Costa Rica (San José) und Nicaragua (Managua) feststellen und worauf gründen diese?

Während des fünfwöchigen Forschungsaufenthalts (März/April 2008) wurde mit insgesamt vier Kirchen gearbeitet: „Fraternidad Cristiana de Costa Rica“ sowie „Rosa de Sarón“ in San José, Costa Rica, und „El Camino – Asambleas de Dios“ sowie „Ríos de Agua Viva“ in Managua, Nicaragua. Die mega-iglesias „Rosa de Sarón“ und „Ríos de Agua Viva“ mit mehreren Tausend Mitgliedern werden hauptsächlich von Menschen der Unterschicht und/oder unteren Mittelschicht besucht; die Kirchen „Fraternidad Cristiana de Costa Rica“ und „El Camino – Asambleas de Dios“ haben nur mehrere hundert Mitglieder und werden insbesondere von Menschen aus der Mittelschicht aufgesucht. Alle vier Kirchen sind keine Stadtteilkirchen („iglesias del barrio“), sondern rekrutieren ihre Mitglieder aus dem gesamten Stadtgebiet.

Neben Interviews mit Gläubigen und Pastoren der vier Kirchen wurden Experteninterviews mit Mitgliedern folgender Institutionen geführt: Universidad Bíblica Latinoamericana (UBL), Departamento Ecuménico de Investigaciones (DEI), Escuela Ecuménica de Ciencias de la Religión (EECR) der Universidad Nacional (UNA) in San José bzw. Heredia, Costa Rica sowie Seminario Teológico Bautista (STB), Centro Inter-Ecclesial de Estudios Teológicos y Sociales(CIETTS), Universidad Evangélica Nicaragüense (UENIC) und Centro Ecuménico Antonio Valdivieso (CAV) in Managua, Nicaragua.