© Julia Große

San Andrés

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Kristina Dietz stellt unserer Begleiterin Fragen während der Führung durch den Botanischen Garten auf San Andrés.
Bildquelle: Rebecca Paulus

San Andrés – Freitag, 13.03.2015, bis Sonntag, 15.03.2015

Die Karibikinsel San Andrés liegt knapp 800 km nördlich des kolumbianischen Festlandes und hat etwa 70.000 Einwohner_innen. Zusammen mit den Nachbarinseln Providencia und Santa Catalina bildet der Archipel das gleichnamige Department San Andrés. Unser dreitägiger Aufenthalt auf der Insel wurde durch die Universidad Nacional de Colombia unterstützt und begleitet, die seit 1997 eine kleine Niederlassung auf San Andrés in St. Luis hat. Die Mehrheit der hier Studierenden stammt von San Andrés oder der Insel Providencia. Untergebracht wurden wir in sog. Posadas Nativas, Gästezimmern bzw. -häusern, die angeschlossen an die Wohnhäuser der Inselbewohner_innen und versorgt durch deren direkten Service, eine Alternative zu den großen Hotels auf der Insel bieten.

Nach einer Begrüßung durch das Referat für Auswärtige Beziehungen der UNAL, starteten wir Freitagmorgen mit einer Führung durch den botanischen Garten der Universität. Dieser dient nicht nur der Dokumentation und dem Schutz der Flora und Fauna sondern auch Bildungs- und Forschungszwecken. Denn die Tier- und Pflanzenwelt des Archipels ist eine der artenreichsten Kolumbiens, die Inselgruppe daher ein „Biodiversitäts-Hotspot“. Das anschließende Treffen mit Dozenten_innen und Forschern_innen der Sozial- und Humanwissenschaften bat, neben durch den gegenseitigen Austausch über aktuelle Forschungsschwerpunkte beider Gruppen und die Arbeit der UNAL Sede Caribe, die Möglichkeit lokale Konflikte und Fragestellungen zu diskutieren. Auf Grund der geographischen Lage der Inselgruppe befindet sich Kolumbien in einem langanhaltenden Territorialkonflikt mit Nicaragua. Im November 2012 fällte der Internationale Gerichtshof in den Haag ein Urteil über die maritimen Grenzen der beiden Staaten, wodurch Nicaragua ein Meeresgebiet von etwa 90.000 km² zugesprochen wurde. Dies hat u. a. massive Einschränkungen für die Mobilität und Arbeit der Fischer der Insel zur Folge. Zudem diskutierten wir die Auswirkungen des bewaffneten Konflikts auf die Insel. Durch die geographische Lage der Insel ist sie Dreh- und Angelpunkt des Drogen- und Waffenschmuggels zwischen Kolumbien und den USA. In den vergangenen Jahren sei, so der Tenor in der Sitzung, die Problematik auf der Insel stärker und sichtbarer geworden. Jugendlichen böten sich auf der Insel nur mangelnde Bildungsmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven, sodass illegale Geschäfte oftmals eine finanziell lukrative Alternative für diese darstellten. Weitere Thematiken des Treffens waren die Bedeutung und mögliche Auswirkungen des Nicaragua Kanalbaus für San Andres, Militarisierung im Inselkontext, Privatisierung und Zugang zu Territorium, Zuwanderung und Tourismus.

Im Anschluss konnten wir uns bei einem informellen Mittagessen weiter über die angesprochenen Themen austauschen. Dies gab Gelegenheit die eigenen Forschungsthemen vor dem Kontext der besprochenen Problematiken zu reflektieren.

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