Familien auf Distanz: Die Bildung eines Zwischenraumes als alltägliche Lebensform

Javiera Cienfuegos Illanes

 

Das Hauptziel des Projekts ist, im Fall von mexikanischen Familien in den USA die Bedingungen zu identifizieren, die die Bildung von Familien auf Distanz ermöglichen. Unter Familie auf Distanz wird eine Gruppe von Individuen verstanden – mit oder ohne biologische Verwandtschaftsbeziehungen – die ursprünglich einen Wohnraum und die Organisation von Rollen und Verantwortlichkeiten teilten und die aufgrund der Migration eines oder mehrerer ihrer Mitglieder im Verlauf der Zeit reale und virtuelle Strategien des gegenseitigen Kontaktes aufgebaut hat. Es ist beabsichtigt, Lebensgeschichten von Familien nachzuzeichnen und dabei sowohl die transnationalen sozialen Felder (Glick Schiller/Levitt 2004) zu untersuchen, die durch diese Familien entstehen und in die diese eingebettet sind, als auch die Veränderungen, die auf der Ebene der Familienorganisation stattgefunden haben, d.h. bei Rollen und Verantwortlichkeiten, Autoritätsbeziehungen, im Alltag, bei der Bildung von familiären Überlebensstrategien und bei der Konfliktlösung.

Im Rahmen der Forschungslinien des Graduiertenkollegs verortet sich das Projekt insofern in den „Räumen der Vernetzungen“, als die Bewegungen von Personen und die Art und Weise, durch die sie sich mit anderen Mitgliedern ihrer Familie in der geographischen Distanz verbinden, eine neue Form von sozialen Beziehungen darstellt, die direkt mit der Globalisierung der Kommunikation zusammenhängt und es verdient, untersucht zu werden.

Die Herangehensweise ist qualitativ. Dabei soll insbesondere die Methode der „verflochtenen Lebensgeschichten“ von Marquez (1999) angewendet werden, bei der die gesamte Familie einbezogen wird, indem wiederholt Tiefeninterviews mit jedem der Familienmitglieder an all den Orten durchgeführt werden, an denen diese leben. Diese Methode erlaubt es, den gesamten zeitlichen Prozess nachzuzeichnen, der mit der Abreise eines oder mehrer Familienmitglieder beginnt und bis zur aktuellen und potentiellen Situation der Familie auf Distanz reicht, wobei die zukünftigen Erwartungen, die sich aufgrund der Migration ergeben, miteinbezogen werden. Die Verknüpfung der Erzählungen ermöglicht es, den individuellen Standpunkt zu verlassen und vielfältigen Perspektiven, geteilten und umstrittenen Standpunkten sowie einer gemeinsamen Geschichte Raum zu geben.

 

Kontakt: javieracienfuegos@gmail.com

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Graduiertenkollegs "Zwischen Räumen"

 

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Zwischen Räumen
Forschungszentrum Brasilien
Studien der Inklusion, Intersektionalität und sozialer Gleichheit