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Veranstaltungsreihe Berliner Brasiliendialoge – Brasilien im multiplen Krisenmodus

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Bildquelle: by createfirst

News vom 08.11.2020

Brasilien durchläuft aktuell mehrere, simultane Krisen: Politisch setzt der Zuwachs des Rechtsextremismus die demokratischen Institutionen sowie das demokratische Miteinander immer mehr unter Druck. Wirtschaftlich verfestigt sich die seit 2015 anhaltende Stagnation durch die politische Verharmlosung der Pandemie und die daraus folgende unkontrollierte Verbreitung des Coronavirus. Ökologisch führen bewusste Lockerungen von Umweltauflagen und eine gezielte Schwächung der Umweltschutzinstitutionen zu einer beispiellosen ökologischen Krise. Diese multiplen Krisen bedingen und vertiefen sich wechselseitig, während das Land immer tiefer in eine beinahe dystopische Sackgasse geführt wird.

Mehr denn je ist eine wissenschaftliche Analyse und Aufklärung der internationalen Öffentlichkeit zu den multiplen Krisen Brasiliens eine Notwendigkeit in der Forschung, der wissenschaftlichen und bildungspolitischen Arbeit sowie der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik zu Lateinamerika. Der Bedarf an Analyse, Aufklärung und öffentlicher Aufmerksamkeit begründet das Projekt einer Veranstaltungsreihe in Deutschland zu Brasilien, in der sich Wissenschaftler*innen, Publizist*innen, Politiker*innen, Künstler*innen, Student*innen und Aktivist*innen aus Brasilien und Deutschland frei austauschen und voneinander lernen können.

Das Format

Der Titel der Veranstaltungsreihe „Berliner Brasiliendialoge“ weist einerseits auf die Organisation der Veranstaltung im Rahmen der Kooperationszusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien und auf ihre Verdichtung in Berlin hin. Andererseits verkörpert die Veranstaltungsreihe das in der deutschen und der internationalen Öffentlichkeit breit gespürte Unbehagen über die aktuellen Entwicklungen Brasiliens nach der erfolgreichen Demokratisierungsphase, die auf die 1990er Jahre zurückgeht.    

Die insgesamt neun geplanten Sitzungen der Veranstaltungsreihe umfassen Podiumsdiskussionen und Hauptvorträge mit Kommentaren bzw. Ko-Referaten. Die Podiumsdiskussionen werden aus vier Referaten von jeweils maximal 15 Minuten zusammengesetzt. Die Hauptvorträge werden maximal 25 Minuten lang sein, gefolgt von zwei Kommentaren von jeweils 10 Minuten. Nach den Präsentationen werden 20 Minuten für Diskussionen zwischen den Panel-Teilnehmer*innen eingeräumt, danach erfolgt eine 40-minutige Diskussion anhand von Fragen aus dem Publikum, die schriftlich per Chat geschickt werden können.

Eine Kooperation des Maria Sibylla Merian Centre Conviviality-Inequality in Latin America (mecila) mit: Lateinamerika-Institut (LAI) der Freien Universität Berlin (FU Berlin), Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), Heinrich-Böll-Stiftung (hbs), Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS), Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika/Brasilien Initiative Berlin (FDCL/BIB), katholisches Hilfswerk Misereor (MISEREOR), Lateinamerika-Forum (LAF), Global South Studies Center (GSSC) der Universität zu Köln (UzK),

Die Reihe wird als Zoom-Veranstaltung durchgeführt.

Online-Veranstaltungsreihe Berliner Brasiliendialoge – Brasilien im multiplen Krisenmodus

1. Brasilien in der COVID-Krise (Als Auftaktveranstaltung) 
01. Dezember 2020, 18.00-20.00 Uhr

Die Podiumsgäste erläutern die wirtschaftlichen, gesundheitspolitischen, sozialen und politischen Folgen der Pandemie. 

Maria Cristina Fernandes (Journalistin, Valor Econômico)
Laura Carvalho (Ökonomin, USP, Brasilien)
Gizele Martins (Journalistin und Aktivistin, Brasilien)
Nuno Ramos (Künstler, Brasilien)

Moderation: Sérgio Costa (FU Berlin, Mecila) und Renata C. Motta (FU Berlin)

Anmeldungen: https://calendar.boell.de/de/event/brasilien-der-covid-krise 
YouTube streaming: https://youtu.be/Ke--BZ4UqRk 

2. Kulturkämpfe und politischer Widerstand 
08. Dezember 2020, 18.00-20.00 Uhr

Der politische Rechtsruck in Brasilien wäre - wie in den meisten vergleichbaren Fällen - ohne die gezielt durchgeführte Spaltung der Gesellschaft zwischen „Linke“ vs. „Rechte“, „Anständige“ vs. „Unanständige“, „privilegierte Minderheiten“ vs. „das Volk“ nicht denkbar. Die Gäste berichten und diskutieren, wie gesellschaftliche Spaltung gezielt betrieben wird, wie man sich ihr widersetzt und sie überwindet.

Debora Diniz (UnB, Brasilien)
Jup do Bairro (Künstlerin, Trans-Aktivistin, Brasilien)
Andrea Dip (Journalistin, Brasilien)
Vilma Reis (Soziologin, Kollektiv Luiza Mahin)

Moderation: Peter W. Schulze (GCSC, UzK, Mecila) und Camila de Abreu (FDCL)

Anmeldungen: https://calendar.boell.de/de/event/Kulturkaempfe-und-politischer-Widerstand 
YouTube streaming: https://youtu.be/PRUCenQMWRo 

3. Demokratie unter Druck
15. Dezember 2020, 18.00-20.00 Uhr

Der Vortrag und die Kommentare analysieren die gegenwärtigen Gefahren für die Freiheitsrechte und die demokratischen Institutionen, die von neuen rechtsradikalen Bewegungen aber auch von Äußerungen und Amtshandlungen von Amtsträger*innen ausgehen. Darüber hinaus, werden demokratische Ansätze, Instrumente und Mechanismen diskutiert, die diese Gefahren eindämmen können.

Vortrag: 

Luís Roberto Barroso (Richter im Obersten Bundesgericht STF)
Kommentare:
Malu Gaspar (Journalistin, Revista Piauí, Brasilien)
Marcos Nobre (Philosoph, UNICAMP/CEBRAP, Mecila)

Moderation: Dieter Grimm (Jurist, WiKo), Susanne Klengel (FU Berlin, Mecila)

Anmeldungen: https://calendar.boell.de/de/event/Demokratie-unter-Druck
YouTube streaming: https://youtu.be/SGLS0rcyWP8 

4. Umwelt: grenzlose Zerstörung
12. Januar 2021, 18.00-20.00 Uhr

Seit 2016 werden sukzessive die rechtlichen und faktischen Grenzen aufgehoben, die die Ausdehnung der Kapitalakkumulation auf Gemeingüter (Commons) bisher verhindern konnten. Besonders betroffen sind gemeinschaftliche Umweltressourcen - Ökosysteme, Reservate und Schutzgebiete. Wie verlaufen diese Prozesse und vor allem: Welche humanitären und ökologischen Folgen hat diese „Öffnung“, insbesondere für Brasiliens indigene Völker und Quilombolas? Welche nationalen und Gegenstrategien sind realistisch?

5. Stadt-Land-Verhältnisse: zwischen Agroexport und Ernährungssouveränität
19. Januar 2021, 18.00-20.00 Uhr 

Parallel zur Zunahme der brasilianischen Agrarexporte und ihrer wirtschaftspolitischen Bedeutung, kämpfen soziale Bewegungen in den Städten und auf dem Land gemeinsam für Ernährungssouveränität. Das brasilianische „Hinterland“ wird immer mehr zu einem Raum, der von alten und neuen sozialen, wirtschaftlichen sowie ökologischen Konflikten geprägt ist. Was sind die gegenwärtigen Entwicklungen? Welche Alternativen und neue Szenarien lassen sich dabei erkennen? Das sind die zentralen Fragen, mit denen sich dies Podium auseinandersetzen wird.

   

6. Arbeit, Prekarisierung und Verschärfung sozialer Ungleichheiten
26. Januar 2021, 18.00-20.00 Uhr

Seit 2016 werden soziale Rechte, die im Laufe der brasilianischen Demokratisierung ab 1988 erweitert wurden, konsequent abgebaut. Infolgedessen und auch im Zuge der ökonomischen Krise steigen informelle und prekäre Beschäftigung sowie Arbeitslosigkeit, Armut und Einkommenskonzentration massiv.

7. Menschenrechte unter Beschuss: Herausforderungen und Perspektiven
02. Februar 2021, 18.00-20.00Uhr

Unter dem Motto „Menschenrechte für rechte Menschen“ stellen die brasilianischen Rechtskonservativen die Universalität und Unteilbarkeit der Menschenrechte in Frage, welche bürgerlich-politische und wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte untrennbar miteinander verschränken. Die Instrumente zum Schutz der Menschenrechte werden aktuell in Brasilien systematisch geschwächt und Menschenrechtsaktivist*innen zunehmend bedroht und kriminalisiert. Das Panel diskutiert die gegenwärtigen Gefährdungen der Menschenrechte in Brasilien und die Reaktionen darauf seitens der Judikative, der Zivilgesellschaft und der internationalen Kontrollorgane.       

8. Deutschland-Brasilien: Konvergenzen und Divergenzen
09. Februar 2021, 18.00-20.00Uhr

Die enge deutsch-brasilianische Kooperation auf wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, zivilgesellschaftlicher und kultureller Ebene impliziert gegenseitige Verantwortungen. Die Gäste beleuchten die Kooperation der beiden Länder auf diesen verschiedenen Ebenen und analysieren, unter welchen Bedingungen diese Zusammenarbeit Umweltprobleme und Gefährdungen der Demokratie und Menschenrechte in Brasilien entschärft bzw. womöglich intensiviert.

9. Ausblick: der Wiederaufbau unserer gemeinsamen Zukunft
16. Februar 2021, 18.00-20.00Uhr

In diesem Panel werden Projekte und Visionen der Zivilgesellschaft sowie anderer demokratischer Initiativen präsentiert, die Strategien im Umgang mit und zur Überwindung der multiplen Krisen in Brasilien entwickeln und umsetzen

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