Lateinamerika unter Druck: US-Interventionen, Wahlkämpfe 2026 und das europäische Wegducken
Nach den jüngsten Interventionen und Drohungen der US-Regierung unter Donald Trump gegenüber Venezuela verschärft sich die geopolitische Lage in Lateinamerika dramatisch. Die offene Eskalation gegenüber Caracas steht exemplarisch für eine neue Phase aggressiver US-Machtpolitik, die sich zunehmend auch gegen Kuba, Mexiko und Kolumbien richtet.
Im Zentrum dieser Politik stehen handfeste Interessen: Zugang zu strategischen Rohstoffen, Kontrolle über Lieferketten, geopolitische Disziplinierung – notfalls durch wirtschaftlichen Zwang, Sanktionen oder militärische Drohkulissen. Lateinamerika wird erneut explizit als geopolitischer „Hinterhof“ der USA markiert. Diese Logik ist nicht neu, gewinnt jedoch unter der Trump-Regierung mit ihrer Neuauflage der Monroe-Doktrin eine bislang kaum gekannte Offenheit und Brutalität.
Besonders brisant ist der Blick auf das Jahr 2026: In Peru, Kolumbien und Brasilien stehen richtungsweisende Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an. Schon jetzt ist absehbar, dass die USA massiv Einfluss auf diese Wahlprozesse nehmen werden – politisch, medial, ökonomisch und über transnationale Netzwerke der extremen Rechten. Lateinamerika droht erneut zum Experimentierfeld externer Einmischung und Destabilisierung zu werden.
Europa hingegen verharrt in Passivität. Deutschland reagiert ausweichend, politisch unentschlossen und rhetorisch entwaffnend. Wenn der Bundeskanzler die Lage als „sehr komplex“ bezeichnet, bleibt vor allem eines sichtbar: das Fehlen einer eigenständigen, wertebasierten europäischen Position. Statt klarer politischer Haltung dominieren Anpassung, Schweigen und strategisches Wegsehen.
Diese Veranstaltung setzt bewusst einen Kontrapunkt. Sie fragt nach den Konsequenzen der neuen US-Interventionspolitik, analysiert die bevorstehenden Wahlkämpfe in Lateinamerika und diskutiert, welche Verantwortung Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft in dieser Situation tragen – jenseits diplomatischer Floskeln und geopolitischer Bequemlichkeit.
Die Diskussion zu diesen Themen findet statt mit:
- Luisa Ramírez, Politikwissenschaftlerin (Heidelberg)
- Feline Freier, Politikwissenschaftlerin (Berlin)
- Tobias Lambert, Journalist (Berlin)
Moderation: Sérgio Costa und Luiz Ramalho.
Ko-Organisiert wird die Veranstaltung von den Organisationen des Netzwerks Berliner Brasiliendialog: LAF Berlin, FDCL, Brot für die Welt, Lateinamerika Institut Berlin, misereor, Friedrich Ebert-Stiftung, Heinrich Böll-Stiftung, Rosa Luxemburg Stiftung, KoBra, Brasilien Initiative Berlin
Zeit & Ort
10.02.2026 | 18:00
Lateinamerika Institut, Raum 201