Cuba

Forschung

Die politikwissenschaftliche Forschung am LAI leistet seit der Neukonstituierung des Fachs im Jahre 2002 einen Beitrag zur Öffnung der Disziplin für neue Fragestellungen und interdisziplinäre Perspektiven. Die Politikwissenschaft am LAI beteiligt sich an der Forschung des Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin.
Enge Forschungskooperationen bestehen mit nationalen und internationalen, universitären und außeruniversitären Partnerinstitutionen. Zu den nationalen Partnerinstitutionen gehören unter anderem die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), das Iberoamerikanischen Institut (IAI), das Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA). Internationale Kooperationspartner sind unter anderem das Colegio de México, die Pontifica Universidad Católica del Perú, die Universidade Estadual de Campinas, die Universidad Nacional de Colombia, die University of Hull und die Columbia University.

Die Politikwissenschaft ist maßgeblich an folgenden Drittmitteln beteiligt:

desiguALdades.net

desiguALdades.net ist ein interdisziplinäres, internationales und multi-institutionelles Forschungsnetzwerk zu sozialen Ungleichheiten in Lateinamerika. Es untersucht Phänomene sozialer Ungleichheiten, die in transregionale soziale Konfigurationen eingebettet sind, jenseits von nationalstaatlich gefassten Analyserahmen.

Das Netzwerk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie „Stärkung und Weiterentwicklung der Regionalstudien (area studies)“ gefördert. Durchführende Institutionen sind das Lateinamerika-Institut (LAI) und das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Weitere beteiligte Einrichtungen sind das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und das German Institute for Global and Area Studies GIGA.

Prof. Dr. Marianne Braig ist Sprecherin des Netzwerks. Die Politikwissenschaft beteiligt sich an Forschungsprojekten im Bereich soziopolitischer Dimensionen sozialer Ungleichheiten. Hier stehen unterschiedliche Phänomene politisch (re)produzierter Ungleichheitsprozesse im Zentrum

SFB 700 Teilprojekt C3 - Security Governance in Lateinamerika

Der DFG-Sonderforschungsbereich 700 geht der Frage nach, wie und unter welchen Bedingungen Governance-Leistungen in den Bereichen Herrschaft, Sicherheit und Wohlfahrt in Räumen begrenzter Staatlichkeit erbracht werden, und welche Probleme dabei entstehen. Hier arbeitet die FU Berlin mit der Hertie School of Governance, der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie der Universität Potsdam und dem Wissenschaftszentrum Berlin zusammen.

Die Politikwissenschaft des Lateinamerika-Instituts beteiligt sich mit dem Teilprojekt C3 „Security Governance in Lateinamerika“seit Beginn des SFB 700 im Jahre 2006.  Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Regieren mit (Un)Sicherheiten aussieht (1. Phase) und welche Rolle dabei unterschiedliche Akteure und Akteurskonstellationen spielen. In der 2. Phase fokussiert  das Teilprojekt C3 auf die Rolle externer Akteure  und deren Governance-Transfers. Das Thema „Transnationale Security Governance: Organisierte Kriminalität und Governance-Interventionen in Mexiko und Zentralamerika“ wird unterschiedlichen Beispielen empirisch untersucht. Unter der Leitung von Prof. Dr. Marianne Braig und Prof.  Dr. Günther Maihold Prof. geht das Projekt derzeit der Frage nach, wie externe Akteure (wie z.B. die USA oder internationale Organisationen) daran mitwirken, organisierte Kriminalität in Mexiko, El Salvador und Guatemala zu bekämpfen und Sicherheit herzustellen und welche Formen „transnationaler Security-Governance“ sich hierbei bilden.

Internationales Graduiertenkolleg „Entre Espacios | Zwischen Räumen“

Im Rahmen des von der DFG und CONACYT geförderten Internationalen Graduiertenkollegs „Zwischen Räumen. Bewegungen, Akteure und Repräsentationen der Globalisierung“  werden Interaktions- und Kommunikationsräume untersucht, die sich im Kontext von Migrations- und Globalisierungsprozessen konstituieren und unterschiedliche Wissensproduktionen miteinander verbinden. Hierbei spielen die transnationalen wie transregionalen Verflechtungen, Interaktionen und Herrschaftsbeziehungen zwischen den Amerikas sowie der Amerikas mit anderen Weltregionen sowie die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen in ihren lokalen, regionalen, und nationalen Kontexten die zentrale Rolle.

MISEAL

Das Verbundprojekt „Medidas para la inclusión social y equidad en Instituciones de Educación Superior en América Latina" (MISEAL), das vom Lateinamerika-Institut gemeinsam mit der Universidade Estadual de Campinas koordiniert wird, befasst sich mit sozialen Ungleichheiten im lateinamerikanischen Hochschulsystem. Insgesamt sind 12 lateinamerikanische und 4 europäische Universitäten an dem Projekt beteiligt, das am LAI von Prof. Dr. Marianne Braig und PD Dr. Martha Zapata Galindo geleitet wird.  

Das Projekt stellt die Frage nach der Mobilität von Frauen und weiteren benachteiligten Gruppen in lateinamerikanischen Gesellschaften. Dabei liegt der Fokus auf der Intersektionalität von Geschlecht, Armut und race. Um diesen Diskriminierungsprozessen und der Ungleichbehandlung von marginalisierten Gruppen entgegenzuwirken untersucht MISEAL Maßnahmen, die den Zugang zu Hochschulen erleichtern sollen.

Warum sind Wirtschaftseliten durch kohäsive Netzwerke in einigen Ländern verbunden, und in anderen nicht? Cross-nationale und transnationale Analyse der Business-Elite-Netzwerke in Lateinamerika

Dieses Projekt wird die Business-Elite-Netzwerke von Kapital- und Personalverflechtungen in lateinamerikanischen Volkswirtschaften und auf international-regionaler Ebene analysieren, vergleichen und erklären, um zu begreifen, warum Wirtschaftseliten in einigen Ländern durch kohäsive Netzwerke verbunden sind und durch verteilte Netzwerke in anderen. Dieses Projekt wird beitragen zu theoretischen Debatten über Elitism-Pluralism, Verbindungen zwischen politischen und Wirtschaftseliten, wirtschaftliche Organisation (oder Varianten des Kapitalismus) und Wirtschaftseliten  in Lateinamerika, auch über das Entstehen einer transnationalen Wirtschaftselite. Auf der methodischen Ebene wird die Analyse sozialer Netzwerke eingesetzt, um die Netzwerkkonfiguration zu untersuchen. Fuzzy set qualitative comparative analysis und  exponential random graph models werden angewandt, um die Faktoren, die Netzwerkbildung beeinflussen, zu analysieren. Es wird erwartet, dass das Interesse von Studenten und Forschern an den lateinamerikanischen wirtschaftlichen Eliten durch die Verbreitung der Ergebnisse des Projekts und den Austausch der gesammelten Daten gefördert wird. Das Forschungsprojekt wird Julián Cárdenas durchgeführt und von der DFG gefördert.

BMBF-Nachwuchsgruppe „GLOCON“
Globaler Wandel – lokale Konflikte? Landkonflikte in Lateinamerika und Subsahara-Afrika im Kontext interdependenter Transformationsprozesse

Leitung: Dr. Kristina Dietz und Dr. Bettina Engels

Laufzeit: 01.08.2014 – 31.07.2018

Geber: BMBF, Fördermaßnahme „Nachwuchsgruppen Globaler Wandel, 4+1“

Die neu geschaffene Nachwuchsgruppe befasst sich mit dem Zusammenhang von globalem Wandel und lokalen Konflikten um Land. Aktuelle Wandelprozesse wie der Klimawandel, die Energie-, Wirtschafts- und Finanzmarktkrise sowie die Nahrungsmittelpreiskrise führen weltweit zu Veränderungen in der Landnutzung. Dabei kommt es mancherorts, jedoch nicht überall zu Konflikten um Land.

Die Nachwuchsgruppe „Globaler Wandel – lokale Konflikte?“ untersucht die soziale und politische Vermittlung von globalem Wandel und lokalen Konflikten um Land in unterschiedlichen Weltregionen. Sie nimmt historisch gewachsene soziale Strukturen, Akteure, staatliche Politiken und Institutionen in den Blick. Ziele der Forschung sind die Formulierung empirisch begründeter Aussagen über den Zusammenhang von globalem Wandel und lokalen Konflikten um Land und die Theorieentwicklung zu global-lokalen Wirkungszusammenhängen. Dazu werden Konflikte um Land in unterschiedlichen Ländern Subsahara-Afrikas und Lateinamerikas analysiert und miteinander verglichen.

Kontakt: bettina.engels@fu-berlin.de, kristina.dietz@fu-berlin.de


"Die Rolle der forensischen Anthropologie in Gewaltszenarien des 21. Jahrhunderts: der Fall Mexiko im internationalen Kontext"

Die Studie erkundet die politische, kulturelle und soziale Wirkmacht einer regierungsunabhängigen forensischen Anthropologie. Untersucht wird am Fallbeispiel Mexiko das Potenzial einer menschenrechtsorientierten Forensik, wie sie in Argentinien in den 1980er Jahre für die Aufarbeitung staatsterroristischer Verbrechen entwickelt wurde, für die gesellschaftliche Verarbeitung von Gewaltkonflikten des 21. Jahrhunderts. Einer solchen Forensik ging es darum, wie in einer Pilotstudie (DSF) herausgearbeitet wurde, ehemals Verschwundeneals soziale Wesen zu konstituieren und in den sozialen Raum zurückzuholen, Angehörigen – insbesondere gegenüber staatlichen Behörden – zu ihren Rechten zu verhelfen, aber auch die dahinter stehenden Verbrechen/smuster zu rekonstruieren. Untersucht werden soll nun, wie ein solcher Zugang im Fall Mexiko mit seiner anhaltenden Gewaltkrise, einer tief verankerten "Kultur der Straflosigkeit" und einer Diversifizierung von Gewaltakteuren wirken kann.

Die Untersuchung, die sich im Feld einer kulturwissenschaftlichen Gewalt-und Erinnerungsforschung verortet, versteht eine so geartete forensische Anthropologie als Dispositiv der Sichtbarmachung im doppelten Sinne: als soziale Materialisierung weitgehend unsichtbarer Gewaltzusammenhänge, und als Visualisierung, also Erzeugung von Bildern, die auf die soziale Imagination von extremer Gewalt einwirken. Mit einem bereits erprobten Set kulturwissenschaftlicher Methoden die ethnographische Begleitung eines in Mexiko neu gegründeten forensischen Teams, visuelle Feldzugänge (Fotografie, Video) sowie bild- und diskursanalytische Lektüren sollen vor allem drei Fragen nachgegangen werden: Erstens, die Frage nach Vertrauen und Legitimität als zentrale Ressource für den forensischen Prozess, kaum weniger bedeutsam als (kriminal)technische Expertise. Zweitens, die Rolle transnationaler Wissenstransfers in diesem Prozess, insbesondere die Wirkmacht der argentinischen Erfahrung und Expertisen. Und drittens die Frage nach der Macht und ambivalenten Bedeutung forensischer Bildproduktion: Die Rolle der Fotografie bei Exhumierung, Identifizierung und Restitution, in den Bildstrategien von Gewaltbetroffenen, aber auch im medialen oder wissenschaftlichen Bilddiskurs, sowie die Frage einer visuellen Ethik. Diskutiert und praktisch erprobt sollen schließlich Elemente einer anderen forensischen Bildlichkeit.

Das Projekt wird von der Deutschen Stiftung Friedensforschung gefördert. Verantwortlich für die Projektdurchführung ist Dr. Anne Huffschmid.