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Forschung

Der Bereich Soziologie am Lateinamerika-Institut ist zugleich Teil des Fachbereichs Sozial- und Politikwissenschaften und verbindet in seinen Lehr- und Forschungsschwerpunkten den am LAI interdisziplinär orientierten Fokus auf Lateinamerika mit neueren methodischen und theoretischen Entwicklungen in verschiedenen Teilgebieten der Soziologie.

Zwei sich ergänzende Themenfelder stehen hier im Vordergrund.

Der erste Fragenkomplex ruht auf einem makrosoziologischen (Selbst-)Verständnis, das die modernisierungstheoretische Darstellung Lateinamerikas als eine rückständige Kopie der europäischen Moderne in Frage stellt. Es wird von einem Konstituierungsprozess der modernen Weltgesellschaft ausgegangen, in dem die lateinamerikanischen Gesellschaften seit der Kolonialzeit schon Bestandteil einer interdependenten Moderne waren.

Der zweite Themenkomplex bezieht sich auf Fragen von Macht und Differenzen. Es handelt sich um mikro- und kultursoziologische Ansätze, die die Konstruktion, Repräsentation und Aushandlung ethnischer, kultureller und geschlechtsspezifischer Differenz als Kernelement bestehender Herrschaftsverhältnisse behandeln.

Aus diesen beiden Interessenbereichen ergeben sich die Forschungsschwerpunkte der Soziologie am LAI. Diese wären:

  • Lateinamerika in der Weltgesellschaft
  • Wissenszirkulation
  • Geschlechterbeziehungen
  • Transnationale Migrationen
  • Kulturelle Differenzen und soziale Ungleichheiten
  • Umweltkonflikte

Aktuelle Forschungsprojekte

Die Professur Soziologie am Lateinamerika-Institut beteiligt sich derzeit an folgenden drittmittelgeförderten Forschungsprojekten und Forschungsnetzwerken:

Mecila: 

Mecila:- Forschungskolleg Conviviality-Inequality in Latin America - untersucht vergangene und gegenwärtige Formen des Zusammenlebens in Lateinamerika und der Karibik. Es verwendet conviviality als ein analytisches Konzept, um das Miteinander in ungleichen Kontexten zu beschreiben. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zunächst bis 2020 finanziert.

Forschungszentrum Brasilien

Das Forschungszentrum Brasilien ist ein interdisziplinäres und fachgebietsübergreifendes Zentrum, das am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin angesiedelt ist. Im Fokus des Zentrums stehen Projekte und Forschungsaktivitäten mit kultur- und sozialwissenschaftlicher Ausrichtung, deren gemeinsame Perspektive "Brasilien im Weltkontext“ ist.

Das Graduiertenkolleg Minor Cosmopolitanisms

Das vom DFG subventionierte Graduiertenkolleg Minor Cosmopolitanisms verfolgt das Ziel, neue Studienmöglichkeiten zu eröffnen und ein umfassendes Verstehen des kosmopolitischen Projektes zu etablieren- auch jenseits seines eurozentristischen Erbes. Minor Cosmopolitanisms versucht, die Spaltungen im kosmopolitische Denken zu überwinden, die soziologische und philosophische kosmopolitische Diskurse entweder als tatsächlich existent oder als normatives Ideal charakterisieren. Die Forschungsgruppe betrachtet beide Perspektiven, indem sie das Aufkommen von Kosmopolitismus in seinem spezifischen Kontext von pluralen und lokal eingebetteten repräsentativen und performativen Praxen erforscht. Das Augenmerk auf diese Praxen zu legen ermutigt uns, über die Spaltung zwischen kulturellem Relativismus und humanistischem Universalismus hinauszudenken, da die Praxen Visionen transkultureller Gerechtigkeit, Frieden und Konvivenz mit einer ethischen Verantwortung für Differenz und Alterität kombinieren. So werden Kosmopolitismen erschaffen, die in einem kleineren Rahmen stattfinden, vom dominanten Skript nicht vorgesehen sind, und so neue Subjektpositionen innerhalb hegemonialer Diskurse hervorbringen.

Das Graduiertenkolleg Minor Cosmpolitanisms startete 2016 in einer Zusammenarbeit der Universität Potsdam, der Freien Universität Berlin, und der Humboldt Universität zu Berlin.

Prodigy

PRODIGY ist ein interdisziplinäres und interinstitutionelles Forschungsprojekt, das die Wechselwirkungen zwischen funktionaler Bodenbiodiversität, Mensch-Umwelt Interaktionen, Regieren und dem Potenzial der sozioökonomisch-ökologischen Transformation lokaler Gesellschaften im Dreiländereck Brasilien, Peru und Bolivien, der sogenannten MAP-Region, verstehen will.

Dr. Regine Schönenberg koordiniert das Projekt im Bereich Soziologie am LAI. PRODIGY wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von März 2017 bis Februar 2022 gefördert.

RePLITO

"Beyond Social Cohesion: Global Repertoires of Living Together" (RePLITO) nimmt marginalisierte und vernachlässigte Repertoires des Zusammenlebens als Ausgangspunkt, um soziale Kohäsion aus einer transregionalen Perspektive neu zu denken. RePLITO ist ein Erkundungsprojekt, das im Rahmen der Grand Challenge Initiative Social Cohesion durch die Berlin University Alliance (2021-2024) finanziert wird. Indem wir unsere Expertise in Zentral-, Süd- und Südostasien, Europa, Lateinamerika, Süd- und Ostafrika sowie im Nahen Osten bündeln, betreiben wir vergleichende und interdisziplinäre Forschung in diesen Regionen. Wir erforschen, wie soziale Akteure in Regionen des Globalen Südens und an den Rändern Europas das gemeinschaftliche Leben vorstellen und praktizieren sowie Bindungen schaffen. Diese Repertoires des Zusammenlebens werden weiterhin im Kontext dynamischer Interaktionen über Lokalitäten, Nationalstaaten und Regionen hinaus verhandelt und transformiert.

RePLITO strebt danach, institutionalisierte Trennungen zwischen den Regionalstudien, den Sozialwissenschaften und den Geisteswissenschaften zu überwinden, indem langfristige kollaborative Forschungen zu einem Thema von akuter akademischer und politischer Relevanz etabliert werden. Angesichts der vielfältigen Versuche, nationale Grenzen durch ausschließende Politik und verstärkte Grenzregime wiederherzustellen, sind globale Perspektiven auf soziale Kohäsion und Repertoires des Zusammenlebens jenseits des Nationalstaats dringend erforderlich.

Dissertationsprojekte

Einen wichtigen Bestandteil der Forschung im Bereich Soziologie des Lateinamerika-Instituts stellen die laufenden Dissertationsprojekte dar. Eine Liste der aktuellen Dissertationsprojekte finden Sie hier.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Das Internationale Graduiertenkolleg Zwischen Räumen: Bewegungen, Akteure und Repräsentationen der Globalisierung (2009-2019)

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Internationale Graduiertenkolleg „Zwischen Räumen. Bewegungen, Akteure und Repräsentationen der Globalisierung" eröffnet der sozial- und kulturwissenschaftlichen Globalisierungsforschung neue Perspektiven. Durch den Dialog zwischen Disziplinen und verschiedenen Wissenschaftstraditionen in Deutschland und Mexiko möchte das Forschungsprogramm einen Beitrag zur Neuorientierung der Area Studies als transnationales und interdisziplinäres Forschungsfeld leisten. Arbeitsschwerpunkte des Kollegs sind die Bewegungen zwischen unterschiedlichen Weltregionen und die neuen Räume, die in historischen und aktuellen Phasen der Globalisierung durch diese entstehen.

Forschungsnetzwerk zu interdependenten Ungleichheiten in Lateinamerika (2009-2016) 

desiguALdades.net ist ein interdisziplinäres, internationales und multiinstitutionelles Forschungsnetzwerk zu sozialen Ungleichheiten in Lateinamerika, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen seiner Förderlinie für Regionalstudien gefördert wird. Das Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin (LAI) und das Ibero-Amerikanische Institut der Stiftung Preussischer Kulturbesitz (IAI) sind für das Forschungsnetzwerk verantwortlich. Die Projektlaufzeit ist von Dezember 2009 bis November 2016.

CarBioCial (2011-2016)

Carbiocial ist ein gemeinsames Projekt von zwölf Universitäten in Deutschland und Österreich, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird, und das multidisziplinäre Perspektiven auf verschiedene Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und Landmanagement entwickelte. Koordiniert wurde es im Bereich Soziologie am LAI von Dr. Regine Schönenberg.

Soziale Bewegungen, Öffentlichkeit und die neuen Konfigurationen des Rechts in Lateinamerika am Beispiel Argentinien und Brasilien (2008-2009)

Das Projekt untersucht die Beziehung zwischen sozialen Bewegungen, Öffentlichkeit und Recht. Es betritt ein neues Forschungsgebiet, insofern als die Literatur immer noch von einem Dualismus zwischen "Herrschaft" und "nicht Herrschaft" des Rechts ausgeht. Dieser Dualismus basiert auf einem reduktionistischen Rechtsstaatsverständnis, das die Wechselwirkungen zwischen sozialen Bewegungen und Recht missversteht. Das Projekt untersucht den internen Zusammenhang zwischen Recht und politischer Öffentlichkeit, um die Rolle sozialer Bewegungen als Katalysator für die Einführung neuer Themen sowohl in der Öffentlichkeit als auch in dem Rechtssystem zu betonen. Finanzierung: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), Coordenação de Aperfeiçoamento de Pessoal de Nível Superior (CAPES, Brasilien) und Ministerio de Ciencia, Tecnología e Innovación Productiva (MINcy, Argentinien). 

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Studien der Inklusion, Intersektionalität und sozialer Gleichheit