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Von Streiksemestern, Besetzungen und Fiestas

Auszug aus einem Presseartikel über die Ende der 1980er-Jahre von einem ,linken‘ Institut ausgehende Protestwelle.

Auszug aus einem Presseartikel über die Ende der 1980er-Jahre von einem ,linken‘ Institut ausgehende Protestwelle.
Bildquelle: Helga Reeck, „,Linke‘ Tendenz ergibt sich aus der Forschung“, in: Der Tagesspiegel (Berlin, 28.12.1988) [Artikel aus der Zeitungsausschnittsammlung, Sondersammlungen, IAI SPK].

Verwüstung des Hörsaals 201 mit Akten aus dem Verwaltungsbüro Ende der 1980er-Jahre.

Verwüstung des Hörsaals 201 mit Akten aus dem Verwaltungsbüro Ende der 1980er-Jahre.
Bildquelle: Polaroidfoto zur Verfügung gestellt durch Sigrid Herrmann.

Veranstaltungsplakat und Einladung zur wildesten Fete der Freien Universität Berlin in den 1990er-Jahren.

Veranstaltungsplakat und Einladung zur wildesten Fete der Freien Universität Berlin in den 1990er-Jahren.
Bildquelle: „LAI-PARTY“, Herausgeber: Lateinamerika-Institut / FU, UA, Plakatesammlung, Plak/1932.

Die zweite Hälfte der 1980er-Jahre stellt eine überaus turbulente Phase der Institutsgeschichte dar. Die hochschulrechtlichen Veränderungen, die potenzielle Umgestaltung des Instituts infolge des Berichts der Expertenkommission und die Mobilisierung der Studierenden waren in dieser Zeit prägend.

Völlig unerwartet ereilte das Lateinamerika-Institut im Oktober 1988 der Beschluss des Kuratoriums der Freien Universität Berlin, ihm das Fach Lateinamerikanistik einschließlich der Verantwortung für die Planung und Durchführung der Lehre zu entziehen. Diese Entscheidung stellte eine Bedrohung für das gesamte Institut dar, dessen weitere Existenz damit auf dem Spiel stand. Die Studierenden reagierten umgehend und bestreikten über Monate die Lehrveranstaltungen am Lateinamerika- Institut. Zusammen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen anderer Institute, die von ähnlichen Beschlüssen des Kuratoriums betroffen waren, besetzten sie innerhalb kürzester Zeit den Großteil der Institute der Freien Universität Berlin und wenig später weitere Westberliner Hochschulen. Gemeinsam forderten sie die Rücknahme der Entscheidungen und eine umfassende Demokratisierung der Hochschulen. Über ein Semester kam der Lehrbetrieb am Lateinamerika-Institut zum Erliegen. Zahlreiche Studierende zogen mit ihren Zahnbürsten in das besetzte Institut und gestalteten Diskussionsrunden und Autonome Seminare. Es kam zu einer vorläufigen Aufschiebung der Beschlüsse. Die Hochschulpolitik des neuen Westberliner Senats sorgte 1989 dafür, dass sich die Lage allmählich entspannte.

Die aufregenden Monate hinterließen unter den Mitgliedern des Lateinamerika-Instituts sowie in der Öffentlichkeit einen bleibenden Eindruck. Ende Dezember 1988 veröffentlichte Der Tagesspiegel einen Beitrag über die Studierendenproteste, in dem die Rolle des Lateinamerika-Instituts im Fokus stand. Für die Zerschlagung des Instituts gebe es offenbar keinen sachlichen Grund. Der Artikel legte vielmehr nahe, dass der Kuratoriumsbeschluss auf eine geplante Umstrukturierung in einem von ,Linken‘ geprägten Bereich der Universität zurückzuführen sei. Diese „Tendenz“ ergebe sich „bei der Lateinamerikanistik fast zwangsläufig aus dem Forschungsobjekt“, hieß es in der Presse.41 Dem Institut und seinen Studierenden eilte jedoch nicht allein dieser Ruf voraus. Legendär sind auch die zahlreichen Fiestas vor allem der 1980er- und 1990er-Jahre, die Erzählungen zufolge zu den besten der gesamten Universität zählten.

 

41 Helga Reeck, „,Linke‘ Tendenz ergibt sich aus der Forschung“, in: Der Tagesspiegel (Berlin, 28.12.1988).

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