Lexikon

Im Lexikon sollen Themen der Geschichte und Anthropologie Lateinamerikas kurz und übersichtlich dargestellt werden. Die Bilder wurden passend zu den Lexikoneinträgen gewählt, sie stellen gleichzeitig aber auch andere Zusammenhänge dar.

C

Cofradía

Cofradía
Cofradía
Bildquelle: © Cristina Guzmán, http://www.scielo.cl/pdf/chungara/v38n1/art05.pdf
„Mit dem spanisch-portugiesischen Begriff cofradía werden Bruderschaften innerhalb der Kolonialgesellschaft in Übersee bezeichnet. Diese Laienvereinigungen haben ihren Ursprung im frühmittelalterlichen Europa. Die Reconquista und die damit verbundene christliche Re-Missionierung wiesen den cofradías eine besondere Bedeutung zu. Es lag nahe, dass cofradías innerhalb des Missionswerkes der röm.-kath.Kirche in der neuen Welt als ein hervorragendes Mittel zur Vertiefung des christlichen Glaubens bei den [indigenen] Neuchristen betrachtet wurden.

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Compadrazgo

Taufe
Compadrazgo
Bildquelle: Foto Peggy Goede
„Unter Patenschaft wurde in der Neuzeit die Tauf- bzw. in der katholischen Kirche auch die Firm-Patenschaft verstanden. Der Begriff Pate ist vom lat. pater abgeleitet, ´Weil er das kind aus der taufe hebende zu demselben in geistige verwandtschaft tritt, der geistliche vater desselben wird´. [...] Durch die Taufpatenschaft wird eine besondere Form der spirituellen Verwandtschaft begründet, die von Anthropologen häufig in die Kategorie der sogenannten Pseudo- oder rituellen Verwandtschaft (z.B. Blutsbrüderschaft) eingeordnet wird.

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D

Demografische Katastrophe

Der Leichnam des Huayna Capac Inka, der zur Bestattung von Quito nach Cuzco transportiert wird.
Krankheiten
Bildquelle: Königliche Bibliothek Kopenhagen, www.kb.dk/permalink/2006/poma/379/en/text/?open=id2975196

„Das Ausmaß, die Geschwindigkeit und die Dauer des Rückgangs der indigenen Bevölkerung in der für die Europäer Neuen Welt nach 1492 stellten die katastrophalen Epidemien, die das mittelalterliche und neuzeitliche Europa trafen, weit in den Schatten. Historiker haben daher schon frühzeitig von einer Demographischen Katastrophe - manche sogar von einem Genozid – gesprochen. Das Sterben zählt zu den dunkelsten Aspekten der Geschichte der Entdeckung und Eroberung Amerikas durch die Europäer.

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E

Encomienda

Encomienda
Encomienda
Bildquelle: La Biblioteca Luis Ángel Arango, http://lablaa.org/blaavirtual/ciencias/sena/periodismo/precolom/precol3d.htm
Als Entlohnung für ihre Dienste während der Eroberung vertraute die spanische Krone den Kolonisten eine bestimmte Anzahl von Indigenen an – eine sogenannte encomienda (encomendar = anvertrauen). Konnte der Besitzer einer encomienda über die Arbeitskraft „seiner“ Indigenen frei verfügen, war er im Gegenzug dazu für deren Unterweisung im christlichen Glauben zuständig.

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I

Inkaischer Bürgerkrieg

Huáscar
Huáscar
Bildquelle: Königliche Bibliothek Kopenhagen, www.kb.dk/permalink/2006/poma/115/es/text/?open=id3082991
Nach dem Tod des Inkaherrschers Huayna Capac erhoben seine beiden Söhne Huáscar und Atahualpa Anspruch auf das gesamte Inkareich. Bislang war die Herrschaft an einen der Söhne des jeweiligen Sapa Inca weitergegeben worden, während die anderen Kinder den Besitz des Vaters samt dessen Eroberungen erbten. Der Inkaherrscher war folglich zu neuen Eroberungen verpflichtet, um seinen eigenen Wohlstand zu begründen.

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K

Kaziken

Tupac Amaru I. und Sayri Tupac
Tupac Amaru I. und Sayri Tupac
Bildquelle: Museo Pedro de Osma, Lima
Der Begriff Kazike leitet sich von der Taíno-Bezeichnung für Hauptlinge – kassequa – ab. Er wurde von den Spaniern für verschiedene indigene Autoritäten und HerrscherInnen mit unterschiedlichster Machtfülle verwendet.

Die lokale Bevölkerung verwendete zunächst noch andere Begriffe wie kuraka (im Andenraum) oder tlatoani (in Zentralmexiko) für lokale indigene Führer. Im Laufe der Zeit ging der Begriff Kazike jedoch in den allgemeinen Sprachgebrauch über.

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L

Limpieza de Sangre

De albarasado y mestiza, barsino
De albarasado y mestiza, barsino
Bildquelle: Museo de América, Madrid, Inv. No. 00009
Die Doktrin der limpieza de sangre („Reinheit des Blutes“) entstand im Spanien des 15. Jahrhunderts zur Abgrenzung von Alt-Christen gegenüber neu konvertierten Christen, die vormals jüdischen oder muslimischen Glaubens waren. „Blut“ steht dabei als Metapher für die Herkunft. Indem Nachweise über die „reine“ Herkunft (probanza de limpieza) von Alt-Christen für bestimmte soziale Positionen verlangt wurden, sollte der Zugang zu diesen eingeschränkt werden. Sogenannte Alt-Christen konnten so eine sozial privilegierte Position behaupten. Im Jahr 1556 wurde diese Doktrin offiziell von der spanischen Krone anerkannt.

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N

Namensgebung

Hochzeit von Loyola und der Ñusta Beatriz
Namen
Bildquelle: Museo Pedro de Osma, Lima

Mit der Taufe bekamen die Indigenen den Vornamen eines/r christlichen Heiligen. Im Laufe der Zeit wurden indigene Namen mehr und mehr als Nachnamen verwendet. Auch wenn spanische Nachnamen meist auf einen gehobenen sozialen Status verwiesen, behielten insbesondere die Nachfahren des indigenen Adels zum Teil ihre Titel bei. Ein Beispiel ist der Name des Don Alonso Chiguan Topa Inga, ein Nachfahre der Inka und Mitglied einer Familie, die auch während der Kolonialzeit einen hohen sozialen Status besaß. 

Nuevas Leyes

"Fray Bartolomé de las Casas, convertiendo a una familia azteca"
"Fray Bartolomé de las Casas, convertiendo a una familia azteca"
Bildquelle: Museo Nacional de Arte, Mexico D.F., commons.wikimedia.org/wiki/File:BartolomeNore%C3%B1aDF.JPG
Im Jahre 1542 wurden die Nuevas Leyes (Neuen Gesetze) von der Spanischen Krone zum Schutz der indigenen Bevölkerung erlassen. Im Jahr 1543 kamen einige Ergänzungen hinzu. Mit den Neuen Gesetzen wurde der requerimiento außer Kraft gesetzt und das encomienda-System sollte reguliert und letztlich abgeschafft werden.

Die Nuevas Leyes waren Resultat einer heftigen Diskussion zwischen einerseits proindianischen Gruppierungen, meist kirchlicher Zugehörigkeit, der spanischen Krone und andererseits den encomenderos.

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O

Obraje

Obraje
Obraje
Bildquelle: Obispo Martínez Compañón, commons.wikimedia.org/wiki/File:Obraje.jpg
Im Zuge der Arbeitsdienste, die Indigene seit der Eroberung leisten mussten, entstand auch die Arbeit in den obrajes – Textilwerkstätten. Die Zentren der Wolltuchherstellung waren Oaxaca, Puebla und Querétaro in Neu-Spanien und Quito in Ekuador. Hier wurden Tuch, Gebrauchstextilien, aber auch Luxusgüter hergestellt. In diesen Textilwerkstätten mussten die Indigenen unter gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen und schlechter Behandlung ihre Tributverpflichtungen ableisten.

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R

Requerimiento

Requerimiento
Requerimiento
Bildquelle: Felipe Guamán Poma de Ayala, Nueva Corónica y Buen Gobierno (1615), http://www.kb.dk/permalink/2006/poma/info/en/frontpage.htm
Teil der juristischen Rechtfertigung für die Eroberung indigener Territorien bildete der sogenannte requerimiento (dt.: Aufforderung, Mahnung). In diesen öffentlich vorgelesenen Erklärungen forderten die Konquistadoren – zumeist auf Spanisch oder Latein – die bedingungslose Kapitulation der indigenen Bevölkerung, die Anerkennung der Herrschaft der christlichen Kirche über die Welt und der spanischen Krone über Amerika.

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S

Silbergewinnung

Arbeitsraum zur Silberverarbeitung
Arbeitsraum zur Silberverarbeitung
Bildquelle: Bildarchiv Noack/Gretenkord, Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin, http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/bildarchiv_noack/

Zu Beginn der Kolonialzeit wurde Silber durch Schmelzen gewonnen. Das Silbererz wurde dafür zunächst mit schweren Eisenhammern aufgebrochen und in einem mit Kohle oder Holz beheizten Brennofen verbrannt. Da das Schmelzen jedoch viel Arbeit und Brennmaterial erforderte war es für Regionen mit einer geringen Bevölkerungszahl wie Zacatecas und ohne Wälder, wie z.B. im Fall Potosí, nicht geeignet. Solche Nachteile trieben die Kosten für Brennmaterial und Arbeitskraft hoch und beschränkten die Nutzung von Schmelzöfen auf sehr ergiebige Minen, was die Silberproduktion abbremste.

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Sklaverei

Sklaverei
Sklaverei
Bildquelle: Diego Rivera, Nationalpalast Mexiko Stadt; Foto Ingrid Kummels

In Amerika suchten und fanden die Konquistadoren Edelmetalle wie Gold und Silber, deren Abbau von Anfang an eines ihrer größten Begehren darstellte. Für den Abbau wurde zu Beginn der Kolonialzeit die indigene Bevölkerung zwangsrekrutiert, die jedoch aufgrund der harten, unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Minen schnell stark dezimiert war. Neben der körperlichen Ausbeutung waren auch Kriege und Krankheiten Gründe für einen starken Bevölkerungsrückgang.

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Synkretismus

Trotz großer Bemühungen von Seiten vieler europäischer Eroberer und Missionare, Indigenen die christliche Religion und Lebensweise zu oktroyieren, blieben unterschiedliche religiöse Vorstellungen erhalten. Vielfach konvertierten Indigene trotz Taufe, Katechismus und christlichen Zeremonien nicht vollständig zum katholischen Glauben. Zum Teil wurde die christliche Botschaft sprachlich und/oder konzeptionell nicht verstanden.

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V

Vizekönigreiche

In den ersten Jahren nach der Ankunft der Europäer in Amerika gab es nur eine sehr einfache Verwaltungsstruktur in der Neuen Welt. Im Zuge der weiteren Eroberungsfeldzüge wurden regionale Verwaltungen wie audiencias (Appellationsgerichtshöfe) und gobiernos installiert. Diese unterstanden jedoch der Spanischen Krone, die Würden- und Amtsträger einsetzte und somit letzte Entscheidungsinstanz war.

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