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Verwendung

Die Portatile fanden zunehmend Gebrauch in privaten Oratorien und Kapellen oder dienten als Hausaltäre, vornehmlich für besser gestellte Familien und Laienbruderschaften. Pracht und Ausstattung der Hausaltäre hing stark von der Klassenzugehörigkeit ihrer Besitzer ab. Sie waren Statussymbole und begehrte Prestigeobjekte.

Die spanischen Missionare verwendeten Tragaltäre bei der Evangelisation der Neuen Welt und der Philippinen. Schon allein aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten waren visuelle Hilfsmittel von enormer Bedeutung, zumal so die Andacht auch in schwer zugänglichen Gebieten erfolgen konnte. Es entwickelten sich dabei mit der Zeit in Amerika eigene Stilrichtungen und Gebräuche der Altarkunst.

 

Tragaltar mit "Virgen de la Purificación". Holz und Paste. 19. Jh. 29x15x7,4 cm. Sammlung Vivian und Jaime Liébana. © Jürgen Golte.

 

Tragaltar mit "Virgen de la Candelaria". Holz, Stuck und Goldplättchen. 19. Jh. 26,8x17,3x5,8 cm. Sammlung Mari Solari. © Jürgen Golte.
 

Die Verwendung von Tragaltären erfuhr eine Steigerung mit Beginn der Politik der Contrareform, wie sie auf dem Konzil zu Trient (1545-1563) festgeschrieben wurde. Die dort erlassenen Dekrete sprachen der Verehrung von bildlichen und figürlichen Darstellungen eine zentrale Rolle in der Christianisierung zu. Es kam daraufhin in Amerika zu der Entstehung der Concilios Sinodales, kirchliche Versammlungen, auf denen Regeln und Kontrollmechanismen zur Herstellung sakraler Bildwerke festgelegt wurden.

Für den Gebrauch von Tragaltären wurde bestimmt, dass ihr Gebrauch für Messen und Prozessionen nur mit bestimmten Lizenzen erlaubt sei, die vom Bischof erteilt wurden.

Trotz des Versuches einer strengen Reglementierung gelang es der Kirche nicht, die Entwicklung diverser Sonderformen zu unterbinden. Kleine Kästen mit Heiligenfiguren, capillas de santero, waren weit verbreitet und fester Bestandteil in informellen Zeremonien des Volksglaubens.

 

In Quito entstand eine der prestigeträchtigsten Fertigungsstätten für Hausaltäre, die für ihre Schönheit, Eleganz und Feinheit in der Detailarbeit berühmt war. Charakteristisch für die Quito-Schule ist die Dynamik in der Mariendarstellung, so dass sie gelegentlich auch als Tänzerinnen bezeichnet werden. Mit dem Hausaltar der Virgen de Quito ist ein erhaltenes Objekt aus der Quito-Schule im Ethnologischen Museum zu Berlin ausgestellt.

Im Raum Ayacucho in Peru entwickelte sich aus den capillas de santero der so genannte cajón sanmarcos, dessen Besonderheit in der Verschmelzung von katholischen und indigenen Elementen liegt.

 

Christian Piarowski