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Glossar

Abasca

(Quechua) großes Gewebe

Acllacuna

Frauen, die wahrscheinlich von den Inka ausgewählt wurden, um politische, religiöse und produktive Funktionen, wie die Herstellung von Chicha und Textilien, wahrzunehmen.

 

Guaman Poma de Ayala (1615), S. 300

© Det Kongelige Bibliotek

 

Ahuaqui

(Quechua) Reihen kleiner aneinader gesetzter Quadrate, die den dreieckigen Halsbereich (yoke) auf einem uncu vom übrigen Gewand abgrenzen, typisch inkaisches Gestaltungsmerkmal eines uncu

Alpaka

domestizierte Kamelidenart, die in den Anden heimisch ist und sehr feine Wolle liefert

Anacu

(Quechua) Rock bzw. Frauenobergewand, das die Frauen unterhalb der Armbeuge um den Körper wickelten, in Brusthöhe mit einer Gewandnadel (tupu) fixierten und in Hüfthöhe mit zwei schärpenartigen Gürteln (chumpi) festhielten

Apu

(Quechua: Hoher Herr) Bezeichnung für die Berggottheiten, die als Urahnern verehrt werden. Da sie nach andiner Vorstellung in sehr hohen Bergen leben, werden diese als Hüter einer jeweiligen Region oder Gemeinschaft verehrt.

Aquilla

Ritueller Trinbecher (keru) der ausschließlich aus Edelmetall (Gold oder Silber) gefertigt wurde

Ascu

(Quechua) Frauenrock in den Anden, ursprünglich aus dem anacu hervorgeganen, als dieser dann während der Kolonialzeit an den Seiten geschlossen werden mußte, erhielt er die Bezeichnung acsu

Ayllu

(Quechua: Familie, Abstammung, Gemeinschaft) im Andenraum Bezeichnung einer indigenen Verwandtschaftsgruppe, aber auch einer größeren sozialen Einheit (z.B. ein Dorf).

Cacique

Aus dem Aruak. Bezeichnung eines indianischen Herrschers. Als caciques wurden in der Regel die Herrscher auf den oberen Hierarchieebenen bezeichnet. Die niedrigeren Anführer wurden von den Spaniern principales genannt. Die Spanier lernten diesen Titel auf den Karibik-Inseln kennen und übertrugen ihn später nach Mexiko und Peru.

Chancas

Mit den Inka verfeindete ethnische Gruppe, die beim Versuch, die Hauptstadt Cuzco einzunehmen, vom Inka Pachacútec geschlagen wurden

Chaquira

(Quechua) Perlen aus Muschelschalen, wurden u.a. zur Verzierung von kostbaren Prestigegewändern verwendet

Chaqui taqlla

(Quechua) Trittgrabstock in den andinen Kulturen, der das Arbeiten auf den schmalen Terrassenfeldern ermöglichte. Er diente zum Umbrechen der Erdschollen. Der Inka machte vor der Aussaat im August mit der Chaqui Taqlla den ersten symbolischen Spatenstich. Noch heute ist die Chaqui Taqlla im Hochland von Peru in Gebrauch.
In: Lexikon Früher Kulturen, Band 2. Leipzig: Bibliographisches Institut 1984.

Chusi

(Quechua) grobes Gewebe, aus Baumwoll- oder Lamawolle hergestellt

Chuspa

(Quechua) kleine verzierte Tasche, in welcher persönliche Dinge aufbewahrt wurden (häufig auch als coca-Täschchen bezeichnet)

Coya

(Quechua) Frau des sapa-Inca

Cumbi

(Quechua) sehr feines Textil, welches ausschließlich für den Inka hergestellt und von diesen weitergegeben wurde

Gallito de las rocas peruano o tunqui (quechua: tunki)

© Dodo

(zu deutsch: peruanisches Fels-Stein-Hähnchen) Rupícola peruviana. Dieser Vogel bewohnt den tropischen Wald in Peru und Bolivien. Sein Federkleid zeichnet ihn besonders aus.

Guaman Poma de Ayala, Felipe

(geb. zwischen ca. 1534 und 1536 in San Cristóbal de Suntolo, Peru), indigener Chronist. Vom Corregidor der Region Lucanas vertrieben, begann Guaman Poma ab 1595 damit, die eroberten Gebiete des heutigen Perus über mehrere Jahre zu bereisen. Die in dieser Zeit gemachten Beobachtungen verarbeitete in seiner Chronik Nueva Corónica y Buen Gobierno, die er 1615 beendeteb. Sie umfasst ca. 1200 Seiten und 400 Zeichnungen, welche Aufschluss über Geschichte und Genealogie der Inkaherrschaft geben. Das Werk widmet sich außerdem der kritischen Beschreibung der damaligen Lebenssituation der indigenen Bevölkerung unter der spanischen Herrschaft. Die Chronik war dem damaligen spanischen König zu seiner Unterrichtung über die historische und sozio-ökonomische Situation der eroberten Gebiete in der Neuen Welt gewidmet. Auf dem Weg nach Spanien ging die Chronik jedoch verloren und wurde erst 300 Jahre später wiedergefunden. Heute ist sie in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen zu besichtigen.

 

Hacienda

(Spanisch) Landgut, Großgrundbesitz. Agrarwirtschaftssystem, das auf Privateigentum an Land beruht. Ländereien wurden von abhängigen Landarbeitern bearbeitet.

Huaca

(Quechua) generischer Begriff für jegliches Heiligtum, zu denen in den Anden Tempel, aber auch die Begräbnisstätten der Toten zählten. Auch eigentümliche oder außerordentliche  Orte (Quellen, ungewöhnliche Bäume, Felsen usw.) und Wesen (wie verwachsene Früchte oder Knollen, mißgestaltete Tiere oder auch Zwillingspaare) werden als huaca bezeichnet.

 

Guaman Poma de Ayala (1615), S.263
© Det Kongelige Bibliotek

 

Hybridisierung

Kulturelle Hybridisierung betont kulturelle Austausch-, Interaktions- und Vermischungsprozesse, die kulturelle Grenzen destabilisieren und verwischen können. In diesen Prozessen entstehen neue Formen ethnischer und kultureller Identitäten. Der Begriff H. ist jedoch auch problematisch, da er von voneinander getrennten und homogenen kulturellen Sphären ausgeht. Keine Gruppe verfügt jedoch über eine in sich geschlossene, homogene Kultur. Jede Kultur ist bereits hybrid. So kann Hybridisierung als Vermischungsprozess von Kulturen und kulturellen Elementen betrachtet werden, die schon hybrid sind. Das Konzept H. ist wichtig, da es die Produktion von neuen Identitäten und kulturellen Formen erkennbar macht.
In: Barker, Chris (2006): Cultural Studies. Theory and Practice. London: SAGE Publications

Inca Garcilaso de la Vega

(geb. am 12. April 1539 in Cuzco/Peru und gest. am 23. April 1616 in Córdoba/Spanien), Schriftsteller und Historiker. Als Sohn der Inka"prinzessin" Isabel Chimpu Ocllo und des spanischen Eroberers Sebastián genoss Garcilaso de la Vega das Privileg einer guten schulischen Ausbildung am Colegio de Indios Nobles de Cuzco.  Nachdem sein Vater gestorben war, machte  sich Garcilaso de la Vega  mit 21 Jahren nach Europa auf, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Bekannt wurde er mit seinem Werk Comentarios reales das erstmals 1609 in Lissabon veröffentlicht wurde. Garcilaso de la Vega verarbeitet darin die ihm bekannten mündlichen Quellen, welche Aufschluss über die Geschichte und Gesellschaft des Inka-Staates geben. Die Comentarios Reales wurden nach seinem Tod vielfach als authentischste Überlieferung von inkaischen Traditionen angesehen und kritiklos aufgegriffen.

Johannes der Täufer

Asketischer Bußprediger, der mit Krummstab und Lamm dargestellt wird. Johannes taufte Jesus im Jordan, beide werden häufig als Kinder dargestellt.

 

Kamelide

Kameltiere, in den südamerikanischen Anden sind vier Arten heimisch: die domestizierten Arten Lama und Alpaka sind aus den Wildformen Guanako und Vicuna gezüchtet worden

Khipu

(Quechua) andines Zählsystem und Gedächtnisstütze für narrative Informationen in Form von Knotenschnüren

Llauto

(Quechua) schmales Band, das einige Male um den Kopf gewickelt wurde. Der llauto war nicht nur Kopfschmuck, sonder zugleich Rangabzeichen in der sozialen Hierarchie

Lliqlla

(Quechua) Schultertuch, wird in den Anden noch heute von den Frauen getragen, die sie meist selbst weben und mit individuellen Mustern versehen

Mallqui

Mumie des verstorbenen Inka-Herrschers. Über den Tod hinaus wurde dieser als Oberhaupt der von ihm begründeten herrschaftlichen Familie (Panaca) angesehen und behielt die Kontrolle über seine Besitztümer, die von seinen Nachfahren verwaltet wurden. Die Nachfahren waren für den Unterhalt der Mumie zuständig, unter anderem in dem sie diese einkleideten und ihr morgens und abends Nahrung opferten in Form von Mais, Coca und Chicha.

Guaman Poma de Ayala (1615), S. 258
© Det Kongelige Bibliotek

Mascapaycha

Eine rote Quaste aus Wollfransen, die von einem Haarband bis auf die Schultern hängt. Eine solche Quaste durfte im Inka-Staat ausschließlich von politischen Herrschern getragen werden. Nach der spanischen Eroberung wurde die Mascapaycha zu einem politischen und rituellen Symbol indigener Eliten in Cuzco, die ihre  Legitimierung über eine genealogische Abstammung von früheren Inkaherrschern ableiteten.

Moiety

Die Hälfte einer dual organisierten Gesellschaft wird als Moiety bezeichnet. Die Aufgaben der Moieties in der Gesamtgesellschaft variieren und ergänzen sich, z. B. stellt die eine den Friedens -, die andere den Kriegshäuptling, oder jede Moiety bestattet die Toten der anderen. Die jeweiligen Mitglieder einer Moiety unterliegen spezifischen Geboten und Verboten, oft auch Heiratsregeln.
In: Hirschberg, Walter (1988): Wörterbuch der Völkerkunde. Berlin: Reimer.

 

Muchik

Sprache der indigenen Gruppen der Nordküste Perus, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts gesprochen wurde.

Mythos

Ein Mythos ist eine auf Themen wie die Weltschöpfung oder den Ursprung eines Volkes bezogene mündliche Überlieferung (Casimir, Wörterbuch 1988). Der Ethnologe Bronislaw Malinowski beschreibt den Mythos nicht als eine erzählte Geschichte, sondern als gelebte Realiät, d.h. ein Mythos legitimiert soziale Regeln und religiöse Praktiken und dient als Vorbild für "richtige" Handlungsweisen.
In: Hirschberg, Walter (1988): Wörterbuch der Völkerkunde. Berlin: Reimer; Mader, Elke. Mythen in Lateinamerika. Ethnologische Mythenforschung http://www.lateinamerika-studien.at/content/kultur/mythen/mythen-titel.html


http://www.lateinamerika-studien.at/content/kultur/mythen/mythen-titel.html

Obraje

(Spanisch) Werkstätte, in der eine mechanisiserte Textilproduktion in größerem Umfang auf dem Trittwebstuhl realisiert wurde

Pachamama

(Quechua: Mutter Erde) andine weibliche Gottheit, die noch heute verehrt wird

Qolqa

(Quechua) Lagerhaus, unter der Inka-Herrschaft in großer Zahl eingerichtet, um Lebensmittel, Textilien und andere Gechenke einzulagern

Redistribution

Die Ethnologie der 30er Jahre des 20. Jh. (z.B. Thurnwald und Firth) sowie die substantivistische Schule von Polanyi definierten R. als einen von drei Basistypen der Transaktion (neben Reziprozität und Markt). Der Begriff bezeichnet die Um- und Neuverteilung von Produkten durch eine zentrale Instanz, welche sie im Geschenkaustausch, als Abgaben, im Handel oder über Heirat erworben hat. R., Reziprozität und einfache Marktbeziehungen sind noch unmittelbar in die Sozialbeziehungen "eingebettet".
In: Streck, Bernhard (Hrsg.), (1987): Wörterbuch der Ethnologie, DuMont, Köln, S. 225-226.


Reziprozität

(lat.: reciprocere bzw. reciprocus = gegen, -wechselseitig)
Die Ethnologie der 30er Jahre des 20. Jh. (z.B. Thurnwald und Firth) sowie die substantivistische Schule von Polanyi definierten R. als einen von drei Basistypen der Transaktion (neben Redistribution und Markt). Reziproke Beziehungen bestehen danach zwischen festen Partnern sowie ohne eine zentrale politische Instanz. R., Redistribution und einfache Marktbeziehungen sind noch unmittelbar in die Sozialbeziehungen "eingebettet".
In: Streck, Bernhard (Hrsg.), (1987): Wörterbuch der Ethnologie, DuMont, Köln, S. 225-226.

 

Sapa-Inka

(Quechua) Bezeichnung für den Inka Herrscher, der auch "Sohn des Sonne" genannt wurde und über das Inka-Reich (Tawantinsuyu) herrschte

Tawantinsuyu

(Quechua: die vier Teile/Bereiche) Bezeichnung für den inkaischen Staat

 

Túpac Amaru II

Mit eigentlichem Namen José Gabriel Condorcanqui. Anführer des größten indianischen Aufstandes im Vizekönigreich Peru 1780, wurde im Jahre 1781 in Cuzco hingerichtet.

Tupu

(Quechua) Gewandnadel, häufig aus Edelmetall gefertigt und verziert, wurde im Andenraum von den Frauen zum Zusammenhalten ihrer Kleider verwendet

Wara

(Quechua) Lendenschurz der Männer, den sie unter ihrem Gewand trugen. Heranwachsende Jungen erhielten ihren ersten Lendenschurz, der unter Beachtung bestimmter Rituale von der Mutter gewebt wurde, im Rahmen der Initationsfeierlichkeiten

Yacolla

(Quechua) Umhang, ca. 1,5 m lang und 1,0 m weit, wurd über dem uncu getragen, bestand aus zwei Teilen, die in der Mitte zusammengenäht wurden. Der Umhang bedeckte die rechte Schulter und auf der linken Seite wurde er zusammengeknotet, so dass ein Arm unbedeckt blieb

Zypresse

© MPF

Die Zypresse gehört zu den immergrünn Pflanzen und symbolisiert Langlebigkeit. Seit der Antike wird sie mit Mythen, Tod und Trauer verbunden.