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Präsentation

Ziele

Dieses Symposium ist Teil der Gedenkfeiern zum 100. Geburtstag eines der größten Schriftsteller Brasiliens und der Welt im 20. Jahrhundert. João Guimarães Rosas Bedeutung beruht nicht nur auf seiner schriftstellerischen Leistung, die ihn in eine Reihe mit Autoren von Weltrang, wie James Joyce, Marcel Proust oder Jorge Luis Borges stellt. Während seiner Tätigkeit als Diplomat in Hamburg, 1938-1942, setzte er sich für die Rettung verfolgter Juden ein und spielt somit auch im Kontext der deutsch-brasilianischen Geschichte eine relevante Rolle.

Die umfangreichen Jubiläumsfeiern in Brasilien und weltweit bieten die Möglichkeit zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Werk João Guimarães Rosas, das in Deutschland selbst beim akademischen und an Literatur und Kultur interessierten Publikum bisher nicht die verdiente Beachtung findet. Zu diesem Zweck werden Wissenschaftler aus unterschiedlichen lateinamerikanischen und europäischen Universitäten eingeladen, die ihre von verschiedenen Perspektiven ausgehenden Interpretationen vorstellen und diskutieren, um den Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern Einblicke in die bedeutendsten Beiträge der Literaturkritik zum Rosianischen Universum zu bieten. Dabei stehen zwei miteinander in Beziehung stehende Hauptlinien im Vordergrund: Einerseits die lokale, regionale, sich aus konkreten Lebenswelten speisende Dimension und anderseits die Dimension der universalen Gültigkeit. Damit verbunden ist die Frage nach den Grenzen und Möglichkeiten des sprachlichen Übergangs im Zuge der Übersetzung eines Werks, dessen Sprache die Dimensionen des regionalen Dialekts, der nationalen Sprache und der weltliterarischen Tradition synthetisiert.

Guimarães Rosa-Spezialistinnen und Spezialisten aus Brasilien, Deutschland und anderen europäischen Ländern werden gemeinsam die sozialen, geopolitischen und symbolischen Räume in Rosas Werk diskutieren. Zentral sind dabei nicht nur die Wege, auf denen sich die ländliche Welt des Sertão mit der urbanen, im Modernisierungswandel stehenden Welt Brasiliens der vierziger bis sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts verbindet, sondern auch andere soziokulturelle Dynamiken, die aus einer beschleunigten Modernisierung und Globalisierung erwachsen. Im Fokus stehen somit Verbindungen und Verschränkungen von regionalen, nationalen und globalen, traditionellen und modernen Zeit-Räumen, aber auch die Bewegungen und Transkulturationen der in diesen Räumen enthaltenen Wissensformen, Wahrnehmungsweisen und Empfindsamkeiten, die sich im Zuge ihrer Transformationen und Übergänge de- und re-territorialisieren. Aus diesem Grund schließt die Frage nach den Dynamiken der im Werk Rosas sprachlich, symbolisch und kulturell kodierten und repräsentierten Ordnungen von Wissen und Bedeutung auch die grundlegende Frage nach den gesellschaftlichen Funktionen und Wirkungen von Literatur im 21. Jahrhundert mit ein. Im Zuge einer intensiven Auseinandersetzung mit den Räumen und Wegen des in der Literatur transportierten Wissens um Lebenswelten, gesellschaftlichen wie kulturellen – und in diesem Sinne genuin politischen – Fragestellungen und Problemen einer zunehmenden globalisierten und zugleich regional und lokal fragmentierten Welt will das geplante Symposium die Lektüren und Analysen zu Guimarães Rosa, insbesondere im Übergang vom brasilianischen Sertão, von Lateinamerika nach Europa und auf die globale Ebene artikulieren.

Neben dem Beitrag zur Vertiefung und Erweiterung der laufenden Forschung seitens etablierter Wissenschaftler soll die Veranstaltung auch studentische und graduierte Forscher anregen, sich mit dem Werk und der Welt des großen brasilianischen Schriftstellers zu beschäftigen. Am ersten Tag wird im Rahmen des Symposiums eine gesonderte Sektion mit Workshops zur Vorstellung der besten Essays von europäischen Jungwissenschaftlern sowie die Präsentation prämierter Übersetzungen einer Erzählung ins Deutsche stattfinden.

 

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