Neues aus Lehre und Forschung

Studium

                                                                                                               

                                                                                                               

LAI-Studienexkursion vom 24.2. bis 10.3. 2013 nach Kuba zum Thema: "Transatlantische Verflechtungen in der Karibik: koloniale Ordnungen und ihr heutiges Erbe"

Die Kuba-Exkursion wurde mit 16 Masterstudierenden des LAI und einer Post-Doktorandin von desiguALdades.net unter der Leitung von Dr. Claudia Rauhut und Prof. Dr. Manuela Boatcă und Unterstützung kubanischer Kolleg/innen vor Ort mit großem Engagement aller Beteiligten durchgeführt.

In der ersten Woche in Havanna fanden an folgenden wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen Vorträge, Diskussionsrunden, Workshops und runde Tische statt:  Universidad de la Habana, Asociación Cubana de las Naciones Unidas, Casa de África, Centro de Investigaciones Sociológicas y Psicológicas, Centro de Estudios de Migraciones Internacionales, Casa de las Americas, Asociación Cultural Yoruba de Cuba, Museo de Regla. Historiker/innen, Anthropolog/innen und Soziolog/innen referierten über die zentrale Rolle Kubas und der Karibik in der Auseinandersetzung mit Sklaverei und Kolonialherrschaft, deren langfristigen Folgen und heutige Aufarbeitung, etwa im Rahmen des globalen UNESCO Projektes „La Ruta del Esclavo“, über strukturelle Formen rassistischer Diskriminierung in dem besonderen politisch-ideologischen Kontext Kubas und neue Räume anti-rassistischer Mobilisierung in Kuba, über die Bedeutung der katholischen und protestantischen Kirchen und afrokubanischen Religionen im kubanischen Transformationsprozess und innerhalb der Transnationalisierung sowie über den Wandel kubanischer Migration seit den 1990er Jahren. Die LAI-Studierenden tauschten sich darüber hinaus mit Studierenden der Universität Havanna über Lehrinhalte, Studiengänge, Partnerschaften und allgemeine Universitätsstrukturen aus.

Auf einer Busrundreise über Cienfuegos, Palmira, Camagüey und Santa Clara wurden in der zweiten Woche wichtige Erinnerungsorte und Gedenkstätten im Zusammenhang mit der Sklaverei (Zuckermühlen, Ruinen von Sklavenplantagen), sozio-kulturelle Organisationen afrokubanischer Religionen (Cabildos Lucumí), Archive mit einzigartigen Dokumenten aus der Kolonialzeit sowie zentrale Schauplätze der sozialistischen Revolution und ihre Memorialkultur besucht. In allen Städten führten wir mit lokalen Expert/innen historische Stadtführungen und diverse Museumsbesuche durch. Die Exkursion wurde begleitet durch ein studentisches Filmprojekt zur Annäherung an afrikanisches Kulturerbe an kubanischen Erinnerungsorten. Insgesamt waren die Inhalte, Personen, interkulturellen Begegnungen, Erfahrungen und Lernprozesse der Exkursion sowie die gruppeninternen Interaktionen eine große Bereicherung und Inspiration für alle Beteiligten, die neue Forschungsideen, -projekte und Kooperationsmöglichkeiten hervorbrachten. (Claudia Rauhut)

Neue Forschungsprojekte

                                                                                                               

                                                                                                               

PROBRAL

Im Rahmen des vom Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und von CAPES (Brasilien) geförderten Programms des Projektbezogenen Personenaustauschs (PPP) PROBRAL wurde das vom Lateinamerika-Institut gemeinsam mit der Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul (PUCRS), entwickelte Forschungs-und Mobilitätsprogramm für Dozent/innen und Nachwuchswissenschaftler/innen zum Themenschwerpunkt „Wissenszirkulationen zwischen Brasilien und Europa: Akteure und Wissensbestände von der frühen Globalisierung bis in die Gegenwart“ für zwei Jahre (2013 – 2014) bewilligt. Nach einer ersten Auftaktveranstaltung im März 2013 ist im September ein Workshop an der PUCRS in Porto Alegre geplant.

„University Meets Microfinance"

Im April 2013 konnte erfolgreich die zweite Phase von "University Meets Microfinance" (UMM) gestartet werden. UMM ist eine EU-Initiative zur Förderung der Kooperation zwischen Studierenden in Europa und im Bereich Mikrofinanzen tätigen Partnern. Ihre Ziele sind Ausbildung, Forschung und Information über Mikrofinanzen, die Aktivierung von Multiplikatoren und der Aufbau eines Netzwerks von Fachkräften aus dem Sektor. UMM wurde 2009 von PlaNet Finance und der Freien Universität Berlin mit Unterstützung der EU, der PlaNet Finance Foundation und anderer Partner ins Leben gerufen und wird in der zweiten Phase von 2013 bis 2016 finanziert. Die wissenschaftliche Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Barbara Fritz. Am Lateinamerika-Institut begrüßen wir die neue wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts, Yasmin Olteanu.
Nähere Informationen

Vorstellung ausgewählter Promotionsprojekte

                                                                                                               

                                                                                                               

„Die performative Produktion des indigenen Raumes Tawantinsuyu: Das ‚Aymara-Neujahrsfest‘ in Bolivien“ (Anne Ebert)

Die Wahl Evo Morales zum Präsidenten Boliviens im Jahr 2005 zog die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich. Wie war es möglich geworden, dass nach jahrhundertelanger Ausgrenzung und Diskriminierung, ein Indigener mit deutlicher Mehrheit in das höchste Staatsamt gewählt wird? Und was bedeutet dies für soziale und kulturelle Veränderungsprozesse in Bolivien? Wer ist an diesen Prozessen beteiligt und welche neuen räumlichen Vorstellungen der bolivianischen Nation werden hierbei geprägt?

Mein Promotionsprojekt betrachtet diese Fragen in Hinblick auf die bolivianischen Indigenenbewegungen von den 1970er Jahren bis heute. Ihre Mitglieder, zumeist ländliche Zuwanderer, die in der Stadt La Paz aufgrund ihrer ethnischen Herkunft ausgegrenzt wurden, stellten daraufhin diese ins Zentrum ihrer politischen Bestrebungen. Indem sie sich auf den indigenen Raum Tawantinsuyu – ursprünglich die Bezeichnung für das präkoloniale Inkareich – bezogen, formulierten sie die Vorstellung eines plurinationalen und dekolonialisierten Staates, in welchem die aus der Kolonialzeit geerbten Herrschaftsverhältnisse zu Gunsten der Achtung kultureller und ethnischer Diversität aufgehoben und Indigene als gleichwertige Nationalitäten neben der mestizischen Bevölkerung anerkannt würden. Dieser Gegenentwurf mündet aktuell in das von der Regierung Evo Morales verfolgte Projekt der ‚Neugründung Boliviens‘.

In meinem Projekt suche ich diese Veränderungsprozesse, über den Zugang der kulturellen Performances zu verstehen. Als Untersuchungsgegenstand eröffnen sie einen besonderen Zugang zu Prozessen der Aushandlung, Konstituierung und Vermittlung von Bedeutungen. Sie stellen Momente dar, in denen das komplexe Zusammenspiel aus  Vorstellungen, Diskursen und symbolischen Repräsentationen an festgelegten Zeitpunkten, bestimmten Orten sowie mit identifizierbaren Akteuren sicht- und erfahrbar wird. Konkret wird das Aymara-Neujahrsfest betrachtet, welches seit 1980 von den Indigenenbewegungen zur Wintersonnenwende am 21. Juni an der archäologischen Stätte von Tiwanaku gefeiert wird und 2009 zum plurinationalen Feiertag erklärt wurde. Für die Untersuchung des Neujahrsfestes wurden in Feldforschungsaufenthalten 2011 und 2012 semi-strukturierte Interviews, informelle Gespräche, Archivrecherchen sowie eine Dokumentation des Aymara-Neujahrsfestes durchgeführt, um Kenntnisse zur historischen Entwicklung, zum gegenwärtigen Festablauf und den diesbezüglichen Debatten betreffs zu gewinnen. Ziel des Projektes ist es, Reethnisierungsprozesse sowie neu etablierte oder reproduzierte symbolische Grenzziehungen und Differenzkonstruktionen näher zu verstehen, die Nationsbildungsprozesse von ‚unten‘ und die damit einhergehende Produktion des indigenen Raumes Tawantinsuyu prägen.

Das Promotionsprojekt wird im Bereich der Kulturanthropologie erarbeitet und von Prof. Dr. Ingrid Kummels betreut. Zudem ermöglicht mir finanziell ein Elsa-Neumann-Stipendium das Projekt zu bearbeiten. Das Stipendium wird vom Land Berlin zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlern an den vier Berliner Universitäten vergeben. Seit November 2011 bin ich am Internationalen Graduiertenkolleg „Zwischen Räumen“ assoziiert.

„Conyugalidad a distancia. Resignificaciones en la intimidad y organización de familias transnacionales” (Javiera Cienfuegos Illanes)

El objetivo de mi proyecto de doctorado ha sido explorar en la construcción del vínculo de conyugalidad a distancia y en las transformaciones que produce a nivel de intimidad y organización familiar. El argumento general se puede resumir en la tesis de que la conyugalidad a distancia es una forma social que, tal como se manifiesta, representa un desafío teórico, a lo menos, a los rasgos de corresidencia, intimidad física y socialización nacional contenidos en la interpretación nuclear-moderna de familia.

Para abordar esta inquietud escogí llevar a cabo un estudio cualitativo en tres localidades (Tabasco, Morelos y Oregon), contemplando la perspectiva de quienes se quedan y quienes migran. En el caso estudiado algunos ajustes en la vida cotidiana de las parejas fueron señales de transformaciones morales y prácticas en la noción de familia. Primeramente, observé que hay una intimidad fundada en un rescate del componente simbólico-expresivo de la semántica conyugal, en donde el funcionamiento de los vínculos es posible gracias a un reemplazo de la convicción de la co-presencialidad por la de que el éxito de una relación conyugal se juega en la comunicación y la confianza.

También pude constatar que en estas parejas no se pierde el sentido de hogar pese a la multilocalización que tienen sus  unidades domésticas, a la vez que la organización familiar cambia; en las parejas transnacionales no media tanto una división del trabajo basada en el sexo del cónyuge, sino una más marcada por el criterio de quien “se va” y quien “se queda”.

En tercer lugar, noté que existe un desafío hacia la socialización que la pareja da a sus hijos. Por un lado, el ejercicio de la parentalidad continúa, aunque padres y madres migrantes pierden tanto autoridad como información en la vida de sus hijos. Con esto, la relación se torna más afectiva y original en sus formas de contacto y rutinas. Por otro lado, en el caso de las “mujeres de deportados” pude percibir que ellas optan por la socialización de sus hijos en una cultura más amplia, que denominan como “hispana”. Estas dos tendencias estarían mostrando que existen nuevas dinámicas de socialización en las cuales la nación se ha debilitado como criterio relevante.

El cuarto desafío que mi estudio revela es en torno a las emociones. Como consecuencia del desconocimiento de gran parte de la vida que lleva el otro cónyuge se instaura como parte de las rutinas comunicativas en las parejas transnacionales la expresión de los “sentires”, lo cual abre sus conversaciones hacia temas tabúes en la sociedad de origen.

Esta investigación ha sido tutelada por el profesor Sérgio Costa y conforma parte de la primera generación de egresados del programa “Entre Espacios”, del LAI. Actualmente la tesis se encuentra lista para ser sometida a evaluación.

Abgeschlossene Promotionen 2013

                                                                                                               

                                                                                                               

Politikwissenschaft

Ursula Stiegler (Disputation am 22.02.2013): “Migrants’ Money for Financial Inclusion? Transnational Governance-Initiatives in the US-Mexican Context”
Betreuer/in: Prof. Dr. Günther Maihold, Prof. Dr. Marianne Braig