Johannes Specht

Diskursinterventionen: Klandestine Migration, Menschenrechte und   Sicherheitspolitik  -    der Fall der mexikanischen Einheit Grupos Beta

  Johannes Specht

 

Mexiko ist für die Koppelung der Themen Migration von Menschen und Sicherheit einer der weltweit interessantesten Fälle: Millionen MexikanerInnen suchen Jahr für Jahr temporär oder dauerhaft in den USA nach Lohnarbeit und damit eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse, und viele von Ihnen queren klandestin die 3000 km lange Grenze im Norden Mexikos. Gleichzeitig ist Mexiko Zielland für Hunderttausende von Menschen und in noch weit größerem Maße ein Transitland, das von Migrierenden aus der ganzen Welt genutzt wird, die versuchen, auf dem Landweg klandestin in die USA zu gelangen.

Mexiko steht aber auch paradigmatisch für eine Tendenz, die Migration von Menschen mit der Sicherheitsthematik aufs innigste zu verkoppeln: Der als ´Versicherheitlichung der Migration` bezeichnete Eintritt von Thematiken der Migration in Felder (und damit Logiken) der Herstellung von (öffentlicher, innerer, nationaler) Sicherheit. Migrierende sind in dieser Logik ein Sicherheitsproblem, das von staatlichen Sicherheitsagenturen ´gelöst´ werden muss.

In Mexiko ist aber parallel zu dieser Tendenz ein weiterer, ungewöhnlicher Prozess einer ´Versicherheitlichung der Migration` zu beobachten; eine Behandlung von Migration unter dem Thema der bedrohten Sicherheit der Migrierenden selbst.

Eine eigene staatliche Einheit, die „Grupos Beta de Protección a Migrantes“, wurde 1990 aufgebaut und ist momentan in 16 Gebieten an den Nord- und Südgrenzen Mexikos im Einsatz, um alle Migrierenden auf mexikanischem Territorium, laut Auftrag ungeachtet ihrer Nationalität und Aufenthaltsstatus, vor den Gefahren der klandestinen Grenzquerung zu schützen, ihre Sicherheit und Menschenrechte zu gewährleisten.

Diese bislang nicht untersuchte staatliche mexikanische Einheit steht im Zentrum der Promotionsarbeit. Neben einer erstmaligen Aufarbeitung ihrer Geschichte wird vor allem ihre diskursive Funktion untersucht: Die Präsenz der Grupos Beta in mexikanischen und internationalen Diskursen der Migration und der Sicherheit stützt strategische Zielen und ist Legitimationspotential für mexikanische Migrationspolitik. 

 

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