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Forschungsthemen der Geschlechterforschung

Die aktuellen Forschungsthemen der Geschlechterforschung am Lateinamerika-Institut orientieren sich an dem Zusammenspiel des Konzeptes von Raum (spatial turn) und Bewegungen. Im Rahmen dieser Referenzkoordinaten haben sich folgende Forschungsthemen entwickelt:

Symbolische Repräsentationen und Transkulturalität

Die reziproken Einflüsse von symbolischen Repräsentationsweisen und kulturellen Praktiken werden hier im Kontext von Macht- und Geschlechterverhältnissen untersucht. Mit diesem Ansatz wechselt die Perspektive vom „Zentrum“ zur „Peripherie“ bzw. von der Metropole zur Kolonie. Die Kontaktzone zwischen diesen analytischen Polen ist der soziale Raum für Transkulturationsprozesse. Transkulturelle Prozesse lassen sich so aus der Perspektive der „Grenze“, der Peripherie, der „Anderen“ studieren, die zu einem neuen Verständnis der Amerikas beitragen. Sie konstituieren Räume durch kulturelles Handeln und symbolische Repräsentation, die sich durch die Überlagerungen verschiedener kultureller Praktiken und Diskurse der indigenen und anderen ethnischen Gruppen auszeichnen.

Zuständige Wissenschaftlerinnen: Jun.-Prof. Dr. Anja Bandau, Jessica Gevers M. A.

Transnationale Räume und Öffentlichkeiten

Als transnationale Öffentlichkeiten werden Interaktions- und Kommunikationsräume bezeichnet, die sich durch Verflechtungen sozialer Netzwerke und Organisationsstrukturen über nationalstaatliche Grenzen und nationale Grenzregime hinweg konstitutieren. Auch jenseits des Staates bewirken ein nationales Imaginäres und soziokulturelle grenzziehende Machtregime die Rekonfiguration öffentlicher (und privater) Räume und der dort stattfindenden Dynamiken und Bewegungen. In diesen Interaktions- und Kommunikationsräumen entstehen Subjektivitäten, Identitäten und Gemeinschaften jenseits der nationalen Konstruktionen von Geschlecht und Kultur.

Zuständige Wissenschaftlerinnen: Jessica Gevers M.A., Dr. Stefanie Kron, Dr. Stephanie Schütze

Politische Kulturen und Bewegungen

Frauenbewegungen und soziale Bewegungen, in denen Frauen als Hauptakteurinnen partizipieren, artikulieren Probleme der geschlechtlich markierten Aus- und Eingrenzung sowie der politischen Subjektkonstitution. Ihre Anerkennung in politischen Zusammenhängen (auf internationaler, nationaler und lokaler Ebenen) gelingt immer nur partiell. Dies belegen die Debatten um Demokratie und Differenz, um die Konstruktion von Geschlechtsidentitäten und Körper, um sexuelle Gewalt und geschlechtsspezifische soziale, politische und zivile Rechte.

Zuständige Wissenschaftlerinnen: Prof. Dr. Marianne Braig, Dr. Stephanie Schütze, PD Dr. Martha Zaptata Galindo

Gewalt und Rechtsbeziehungen

In Lateinamerika sind es sowohl geschlechtsspezifische Gewaltphänomene, die von Frauen thematisiert werden, als auch Gewalt- und Unterdrückungserfahrungen, welche die Militärdiktaturen kennzeichnen und die Lebenswelten der Menschen zerstören. Frauen und ihren Bewegungen sowie Organisationen in Lateinamerika kommt für das Sichtbar- und Sagbar-machen, Aufdecken, Verfolgen, Aufarbeiten und Erinnern dieser Erfahrungen eine zentrale Bedeutung zu. Dabei werden Fragen nach der Konstituierung von Privatheit und Öffentlichkeit, von formellen und informellen Regeln, von lokalen, nationalen sowie inter/trans-nationalen Räumen neu gestellt. 

Zuständige Wissenschaftlerinnen: Prof. Dr. Marianne Braig

Virtualität und Medialität

Das Regime heterosexueller Normierung sickert weltweit in alle audiovisuellen Repräsentationsräume, in Fernsehen, Kino-, Videofilm und Werbung ein. Wenngleich seine in-/exkludierenden Dispositive durch (pseudo-)subversive Performation alternativer Sexualität aufgemischt werden, ist ‘Homo-‘ bzw. ‘Transvisualität’ kein fester Bestandteil medialen mainstreams. Hiergegen bieten die Science Fiction und das Cyberspace aufgrund ihrer traditionsreich-experimentierfreudigen Produktion (utopischer) Wesenheiten (und Andersheiten) prominente Räume für eine (virtuelle) Konterkarierung.

Zuständige Wissenschaftlerinnen: PD Dr. Martha Zapata Galindo

Wissenszirkulationen

Durch die Analyse unterschiedlicher Konfigurationen von globalem und lokalem Wissen werden unterschiedliche Formen der Wissensproduktion in Lateinamerika untersucht. Das Forschungsinteresse richtet sich zunächst auf die Konstitution von „Zwischenräumen“, in denen hybride Konfigurationen von Wissen und Bedeutung stattfinden und epistemologische Grenzen sich verschieben. Dabei wird das Augenmerk auf komplexe, widersprüchliche und sich wechselseitig überdeterminierende Prozesse gerichtet, die den globalen Raum neu strukturieren; Analysekategorien dieser Forschungsperspektive sind insbesondere Geschlecht, Ethnie und Klasse.

Zuständige Wissenschaftlerinnen: Prof. Dr. Marianne Braig, PD Dr. Martha Zapata Galindo

 

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