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Die Anden - Transkulturelle Räume

Rituelle Trinkbecher aus den Anden (keru), Tuniken mit inkaischen Motiven und silbernen Gewandnadeln (unku), christliche Holzkreuze mit tokapu, geometrisch gestalteten Rechtecken, bemalt, Porträtserien der inkaischen Herrscher, Bildnisse südamerikanischer Jungfrauen und Heiliger sind Zeugnisse einer Welt, die uns fremd und gleichzeitig vertraut zu sein scheint. Im kolonialen Spanisch-Amerika (16. -19. Jh.) lebten Spanier aus dem Mutterland und Spanier, „die aufgehört hatten, welche zu sein“, Indianer und indianische Herrscher, die in den niedrigen spanischen Adel aufgenommen werden konnten, Mestizen, die „weder Indianer noch Spanier“ waren, Schwarze und die zahllosen Menschen amerikanischer, afrikanischer und europäischer Herkunft, die sich keiner der genannten Gruppen zuordnen ließen. Stellen wir uns das Straßenbild z.B. einer peruanischen Stadt in jener Zeit vor, sehen wir die Leute in eine Mode gekleidet, nach der man sich in einer spanischen Metropole umdrehen würde, weil sie so ungewöhnlich ist. Äußerst fein gewebte Textilien aus Alpakawolle werden mit Seide, Taft und Baumwolle kombiniert. Getragen werden lliqlla, die typischen Frauenmäntel aus den Anden, häufig in Gobelintechnik gewebt, Hemden, Jacken, Blusen, Röcke und anacu, die andine Form des Frauenrockes, sowie Hosen. Ein ähnlicher Eindruck würde entstehen, wenn wir in die Häuser hinein sehen könnten. Wir könnten Kisten aus Zedernholz sehen, in denen Dinge aufbewahrt wurden, aber auch inkaische Keramikgefäße (urpu), die als Vorratsgefäße dienten. An den Wänden der Häuser würde christliche Heilige neben den Porträts von Inka-Herrschern hängen.

Diese Kunstwerke sind Zeugnisse einer kolonialen Kultur und belegen das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Einflüsse, die sich auch im Alltag abzeichneten. Die ungewöhnliche Verbindung, die diese Dinge in unseren Augen eingingen, war weder den Menschen, die z. B. in ihren Testamenten von ihren Besitztümern erzählten, noch den Zeitgenossen eine Erwähnung wert. Der unablässige Austausch zwischen den Kulturen und die ständigen Beziehungen zwischen ihnen waren eine vertraute Praxis.

KN