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Tokapu

Tokapu

Der unku hatte unter den Inka ein standardisiertes Format angenommen. Die folgenden Gestaltungselemente werden unterschieden: Halsausschnitt, oberer Teil, unterer Teil und die Mitte, Tokapugürtel, auch als chumpi (Gürtel) bezeichnet. Dieser Gürtel war nicht zufällig in der Mitte des unku platziert und stellt des Weiteren eine starke Verbindung in der Gestaltung zu den keru dar (1).

Tokapu wurden ursprünglich nur auf Textilien, die der Oberschicht vorbehalten waren, dargestellt. Die in die Gewänder eingewebten und gestickten Symbole wurden vermutlich von Spezialisten als Erinnerungshilfe (Mnemogramme) verwendet. Die genauen Bedeutungen dieser Zeichen sind bis heute nicht ganz geklärt. Viele Autoren vermuten sogar, dass diese Symbole als eine Art Schrift dienten (vgl. Burns Glynn, 1990).

Tokapu behielten während der Kolonialzeit ihren Ausdruck als Symbole inkaischer politischer Autorität bei. Allerdings erlangen die kolonialzeitlichen tokapu eine größere Verbreitung und unterschieden sich von ihren inkaischen Vorgängern ebenfalls in ihrer Gestaltung. Außerdem wurden einige dieser tokapu während der Kolonialzeit als Wappenzeichen verwendet, die sowohl den gesellschaftlichen Status seines Trägers als auch seine regionale und/oder ethnische Zugehörigkeit zu erkennen gaben.

Erst nach der spanischen Eroberung fanden sie eine weitere Verbreitung auf anderen rituellen Gegenständen, wie Trinkbechern (keru) und liturgischen Objekten, wie dem Holzkreuz aus der Sammlung des Ethnologischen Museum Berlin.

 

 

 

Das obere Bild ist ein Detail aus dem unku (VA 4577) (© Ethnologisches Museum Berlin).

 

Ahuaqui

Ahuaqui (aus einer Abbildung in Guamán Poma de Ayala, S.88, ca. 1615) (© Det Kongelige Bibliotek)

Der Halsausschnitt des unku wird oft von einem Kreis gestufter Quadrate umgeben, den ahuaqui. Ahuaqui sowie tokapu können als Bezeichnung inkaischer Macht verstanden werden. In diesem Bild von Guaman Poma de Ayala, das den zweiten Inka CINCHE ROCA INGA (Sinchi Roca) darstellt, kann man sowohl die tokapu als auch ahuaqui erkennen. Guaman Poma schreibt über diesen Inka folgendes: "tenía su llauto [cíngulo] a de colorado y su pluma de quitasol y su camigeta rrozado con su auaqui [tejido] y en medio tres betas de tocapo [paño de labor tejido] b y lo de auajo colorado y su manta de encarnado claro y en la mano derecha su conca cuchuna [hacha] y en la esquierda su rrodela y chanbi [porra de pelear] c y en los pies los quatro ataderos" (Seite 89) (2). Der Forscher der inkaische Kosmologie Tom Zuidema stellt die ahuaqui in Beziehung zum Zirkelkranz um die Sonne, was auf eine Verbindung der ahuaqui mit dem Fest der Sonne im Dezember (Cápac Raymi) hinweisen kann (vgl. Phipps 2004).

 

 

Noten

 

(1) Selbst bei den keru werden die tokapu in der Mitte reinplaziert, was auf eine starke Verbinndung zwischen keru und unku zurückgeführt werden kann (siehe Flores Ochoa, 1998).

(2) Übersetzt heißt es ungefähr: er hat seinen Hut [cíngulo], seine Federn aus quitasol und sein Hemd rosa gefärbt und mit seiner auaqui [tejido] in der Mitte drei Streifen mit tokapu [paño de labor tejido] gezeichnet und seinen Mantel hell gefärbt. In seiner rechten Hand hält er seine conca cuchuna [hacha], in seiner linken Hand sein rrodela und chanbi [porra de pelear] und an seinen Füßen die vier Schnürsenkel.

 

 

 

 

Í. F. P.