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Ikonographie

Keru der Kolonialzeit

Abb.1:Keru aus dem 18. Jahrhundert, Sammlung Centeno, VA 8916 ©Ethnologisches Museum Berlin

Struktur und Ikonographie

Die Außenwände der kolonialzeitlichen keru sind häufig in drei übereinanderliegende Bänder (s. Abb 1) gegliedert. In diesen Fällen lässt sich von einer "klassischen Struktur" sprechen.

Die oberste Ebene enthält fast immer komplexe Bildszenen mit narrativem Charakter, die sich auf Feste, Mythen und Legenden beziehen, so z. B. die Darstellungen von der Cadena de Huáscar und dem Regenbogen, die in einem größeren Zusammenhang mit dem Jahreszyklus in der Landwirtschaft und der Viehzucht stehen. Im 17. und 18. Jahrhundert gibt es häufiger eine Vermischung mit europäischen Stilmitteln aus der naturalistischen Kunstmalerei und dem Katholizismus (siehe auch Gemälde und Altäre).

Der mittlere Ring, auch als chumpi (Gürtel) bezeichnet, ist sehr oft mit tokapu  ausgeschmückt, wie es auch bei den chumpi der uncu der Fall ist (s. Abb.2).

Bei der Interpretation der tokapu werden gewöhnlich zwischen denen der Textilien und denen der keru nicht unterschieden, obwohl sie aus verschiedenen zeitlichen Zusammenhänge kommen können. Die unterschiedliche handwerkliche Herstellung (Textil und Holz bzw. Keramik) beeinflusst die grafische Gestaltung der tokapu. In dem folgenden Artikel von Katalin Nagy (2008) wird auf die tokapu der kolonialzeitlichen keru speziell eingegangen.

Abb.2 Auschnitt aus VA 4577 ©Ethnologisches Museum Berlin

Auf dem untersten Band  befinden sich überwiegend Darstellungen von wiederkehrenden Motiven aus Flora, v.a. Blumen, Kokablätter, aber auch tropische Gewächse wie Palmen und Ananas (s. keru mit Ananasmotiv) und Fauna, u.a. die Andentiere Lamas, Alpakas und Condore, aber auch Jaguare und Pumas, Papageien und Kolibris, Schlangen und andere tropische Tiere. Des weiteren findet man Abbildungen von mythologischen Tieren, wie z.B. des amaru, eine Mischung aus Schlange und Katze, vergleichbar mit den europäischen Drachen. Viele andere Mischwesen sowie die Tiere und Pflanzen aus dem tropischen Tiefland sind Repräsentanten von Regen und Fruchtbarkeit, v.a. aber waren sie in der Kolonialzeit auch ein Symbol für das Paradies.

 

Carolyn Zeck