Globale Ökonomie und Entwicklungstheorie

In diesem Abschnitt sind Ökonomen gemeinsam dargestellt, welche die Wirtschaft als ein globales Netzwerk (inter- und intra-) nationaler Beziehungen begreifen und die jeweiligen Bedingungen und Abhängigkeiten dieses Netzwerks als zentralen Untersuchungsgegenstand ihrer Theorie verstanden haben. Sie alle unterscheiden sich in der Rolle, die das globale System in ihrer Theorie einnimmt und welchen Erklärungswert Abhängigkeiten und Machtstrukturen für die aktuelle Lage jeweiliger Länder in der Welt bedeuten. Eine spezifische ‚Entwicklungs’-Theorie für die so genannten Entwicklungsländer sind dabei nur einige wenige. Es ist hier aber beispielsweise mit Hernando de Soto auch ein ‚Entwicklungs’-Ökonom dargestellt, der eine mikroökonomische – auf die Handlungsmotivation des Individuum fokussierte - Theorie vertritt.

Unter der Überschrift „Modernisierungstheorie“ verstehen Kritiker vor allem Theorien, welche „Moderne“ aus westlich-eurozentristischer Perspektive definieren und damit Europa oder den „Westen“ als ‚theoretische Kopiervorlage’ für die Regionen der Welt ansehen. Neo-Marxistische Theorien sind „globale Theorien“, da sie das „globale System“ des Kapitalismus in den Mittelpunkt ihrer Kritik/Arbeit stellen und die theoretischen Gegenentwürfe ebenso von globaler Ausrichtung sind. Ökonomie aus postkolonialen Zusammenhängen ist die Überschrift für eine ganze Reihe von Ökonomen, welche in Nationen oder Regionen ihre Theorien entwickelt haben, die selbst koloniale Abhängigkeiten erlebt haben. Es ist aber auch die Überschrift für Ökonomen die in ihren Theorien dezidiert den Bezug zum System kolonialer Ausbeutung und Abhängigkeit mit all den heutigen Konsequenzen herstellen.